North Carolina hat sich vom am wenigsten wohlhabenden Bundesstaat zu einem Vorreiter in wirtschaftsfreundlichen Politiken entwickelt. Dies wird besonders an der Stadt Holly Springs deutlich, die ein Symbol für die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA sein könnte.
Die Baustelle einer Genentech-Anlage für Abnehmspritzen, genannt “Apollo 11” in Anlehnung an die erste Mondmission von 1969, zeugt davon. Das Projekt repräsentiert Roche’s Engagement im Rahmen eines Zollkonflikts mit den USA. Im November 2025 versprachen Schweizer Unternehmen dem Weißen Haus Investitionen im Wert von 200 Milliarden Dollar, Apollo 11 ist ein Teil davon.
Bis 2030 plant Roche, 50 Milliarden Dollar in den USA zu investieren, darunter 2 Milliarden für Holly Springs. Die Stadt hat sich seit ihrer Gründung als Produktionsstandort für Grippeimpfstoffe durch Novartis im Jahr 2006 kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute ein Zentrum der Biotechnologie.
Holly Springs hat es geschafft, die Herausforderungen zu meistern, indem sie Infrastrukturmaßnahmen wie “schaufelfertige” Bauparzellen anbietet, was den Bauprozess um sechs bis acht Monate verkürzt. Die Stadt investiert zudem in Straßen und Kläranlagen, um die Bedürfnisse der Biotech-Industrie zu erfüllen.
Die niedrigen Steuern tragen ebenfalls zur Attraktivität bei. Irena Krstanovic, Chefin der Wirtschaftsförderung, betont das günstige Klima für Unternehmen: “Wir können die Dienstleistungen auf hohem Niveau halten und gleichzeitig tiefe Steuern beibehalten, dank des wirtschaftlichen Wachstums.”
Paul Bezy von Roche hebt die Vorteile wie Lebensqualität, Kosten und die schnelle Koordination mit städtischen Behörden hervor. Diese Faktoren haben Holly Springs zu einem attraktiven Standort gemacht.
Der Aufschwung in der Biotechnologie begann 2020 während der Pandemie, als Stabilität in Lieferketten entscheidend wurde. Die Stadt hat sich durch Projekte wie jene von Novo Nordisk und Eli Lilly weiterentwickelt und zieht nun auch Unternehmen aus Japan und der Schweiz an.
Mit einer Bevölkerung von 56.000 Menschen plant Holly Springs eine Expansion auf bis zu 120.000 Einwohner, unterstützt durch Infrastrukturprojekte wie ein neues Spital und ein Baseball-Stadion.
Donald Trumps Zölle haben zwar Impulse gegeben, jedoch betonen Experten, dass die Investitionen langfristig sinnvoll sind. Scott Ralls vom Wake Tech Community College arbeitet daran, den Fachkräftemangel zu beheben und bietet praxisnahe Ausbildung in Biomanufacturing an.
Der Erfolg von North Carolina beruht auf seiner Geschichte des Wandels von einer agrarischen Wirtschaft hin zu einem Technologie-Hub. Die politische Kultur des “Purple State Mindset” fördert den Dialog zwischen Parteien und trägt zur pragmatischen Wirtschaftspolitik bei.
Die Investitionen in Holly Springs sind ein Zeichen für die anhaltende Anziehungskraft der Region, unabhängig von kurzfristigen politischen Entscheidungen. Die Stadt ist gut positioniert, um weiterhin als Zentrum der Biotechnologie zu wachsen.