Feryel äußert sich erleichtert darüber, dass ihre Nichte Jena in der Schweiz angemessen behandelt wird. In Gaza hätte man ihr den Fuß amputieren wollen, was abgelehnt wurde. Die Achtjährige kam im November verletzt aus Gaza ins Tessin, um im Kanton Tessin medizinisch versorgt zu werden. Ihre Tante Feryel brachte sie zusammen mit einer Schwester nach der Tragödie eines Bombenangriffs in Gaza, bei dem Jenas Mutter und eine weitere Schwester starben. Ein älterer Bruder wird weiterhin in einem Spital in St. Gallen behandelt. Heute, etwa sechs Monate später, kann Jena wieder gehen, hat an Gewicht zugelegt und ein wenig Italienisch gelernt.
Yasmine erreichte mit ihrer Tochter Ende Oktober ebenfalls das Tessin. Die Kleine ist die zweite junge Patientin am Istituto Pediatrico della Svizzera Italiana in Bellinzona. Mit ihr kamen fünf Geschwister nach der Schweiz. Yasmine betont: „Wir waren sehr froh, hierhin zu kommen und diese Behandlung für meine Tochter zu erhalten.“ Sie erzählt von ihrem Italienischkurs und den neuen Bekanntschaften: „Ich fühle mich jetzt sehr wohl hier.“
Die Erlebnisse dieser beiden Familien stehen exemplarisch für die humanitäre Aktion des Bundes im Herbst 2025, bei der 20 verletzte Kinder aus Gaza in acht Schweizer Kantonen behandelt wurden. Mit ihnen zogen rund siebzig Angehörige in die Schweiz ein.
Debora Banchini Fersini vom Roten Kreuz lobt: „Seit ihrer Ankunft haben sie unglaubliche Fortschritte gemacht. Diese Menschen sind sehr widerstandsfähig und von außergewöhnlicher Kraft.“ Auch Giacomo Simonetti, Direktor des Istituto Pediatrico in Bellinzona, zieht eine positive Bilanz: „Die Hilfe für diese Kinder war groß und bereichernd – sowohl für sie als auch für ihre Familien und uns.“
Für Feryel ist die Rückkehr nach Gaza unvorstellbar. Sie möchte ihren Mann zur Familie in der Schweiz holen; ihr Asylverfahren wurde im Herbst eingeleitet. Yasmine äußert sich ähnlich: „Die Pflege meiner Kinder erlaubt es mir nicht, sofort zurückzukehren.“ Sie fügt hinzu: „Man weiß nie, was das Leben bringt. Vielleicht kehre ich eines Tages nach Gaza zurück, wenn meine Kinder hier ihre Zukunft gefunden haben.“
RSI, Il Quotidiano, 17.4.2026, 19 Uhr; wilh