Die Huthi-Miliz aus dem Jemen hat sich seit Wochenende aktiv in den Konflikt zwischen Iran und anderen regionalen Akteuren eingemischt. Am Samstag führte sie einen Raketenangriff gegen Israel durch, wobei auch in der Nacht zum Montag ähnliche Angriffe stattgefunden haben sollen. Diese Miliz ist Teil der sogenannten „Achse des Widerstands“, die dem Iran nahesteht. Über die Hintergründe und Strategien dieser Entwicklung spricht Politologin Elham Manea von der Universität Zürich.
Elham Manea, eine Titularprofessorin für Politikwissenschaft mit Fokus auf den arabischen Nahen Osten, ist auch als Schriftstellerin und Menschenrechtlerin aktiv. Sie verfügt über die schweizerisch-jemenitische Doppelstaatsbürgerschaft und lebt in der Schweiz.
SRF News fragt nach dem Hintergrund des Eingreifens der Huthis: Elham Manea erklärt, dass dies ein bewusstes Signal auf mehreren Ebenen darstellt. Die Zeitpunktwahl ist strategisch gewählt: Verhandlungen zwischen Saudi-Arabien und den Huthis kommen nicht voran – diese sind für die finanzielle Unterstützung, politische Anerkennung und innere Stabilität entscheidend. Der Stillstand erhöht den internen Druck. Das Signal richtet sich sowohl nach außen als auch nach innen: Extern präsentieren sich die Huthis als Teil eines regionalen Bündnisses mit Iran-Anbindung, während sie intern durch das Thema Palästina Unterstützung mobilisieren.
Die Angriffe auf Israel sind nicht allein eine Demonstration der Verbundenheit zum Iran. Sie zeigen auch eigenständige Entscheidungen der Huthis: Extern positionieren sich die Huthis als relevante Akteure in einem regionalen Bündnis; intern nutzen sie das Thema Palästina, um Unterstützung zu gewinnen.
Es bleibt möglich, dass die Huthis erneut Schiffe im Roten Meer angreifen. Dieses Gebiet dient ihnen als Druckmittel. Die Vorsicht ist jedoch groß, da eine größere Eskalation unverzüglich internationale Reaktionen nach sich ziehen würde. Ein solcher Schritt bleibt also eine Option, die abzuwarten ist.
Die Huthis agieren nicht nur ideologisch, sondern auch pragmatisch. Sie berechnen ihre Aktionen sorgfältig und stehen unter erheblichem innerem Druck. Eine vergangene Attacke hat bereits zu einer Schwächung ihrer Basis geführt. Dennoch ist eine weitere Eskalation nicht ausgeschlossen. Zurzeit sind sie zurückhaltend, doch die Möglichkeiten bleiben offen.
Als nächstes könnten die Huthis ihre starke Rhetorik und gezielten Aktionen ohne größere Eskalation beibehalten. Wirtschaftlich sowie innen- und außenpolitisch stehen sie unter Druck und versuchen, ihre regionale Rolle zu stärken. Diese Balance ist jedoch instabil; eine Veränderung der Strategie ist bei steigendem Druck oder Konfliktausweitung jederzeit möglich.
Das Gespräch führte Dominik Rolli.
SRF 4 News, 30.3.2026, 6:45 Uhr