Trotz der Herausforderungen durch Überkapazitäten, einer trüben Konjunktur und lokaler Konkurrenz investiert der deutsche Chemiekonzern BASF weiterhin stark in China. Das Prinzip Hoffnung steht im Vordergrund.
Nach den feierlichen Eröffnungszeremonien stellt sich Markus Kamieth, CEO von BASF, unter die sengende chinesische Mittagssonne. Er erläutert, warum der Konzern 8,7 Milliarden Euro in ein neues Werk im südchinesischen Zhanjiang investiert hat. “China macht etwa die Hälfte des weltweiten Chemie-Marktes aus”, betont Kamieth und weist darauf hin, dass der chinesische Markt für Chemieprodukte zuletzt um rund fünf Prozent gewachsen ist, während in Europa das Wachstum stagniert.
Die Entscheidung für den neuen Standort fiel bereits 2018. Auch als sich das Konjunkturklima abkühlte, war eine Rücknahme nicht mehr möglich: Die Bauarbeiten waren schon im Gange. Nun hat BASF auf vier Quadratkilometern 18 Anlagen hochgefahren und 32 Produktionslinien in Betrieb genommen. Der neue “Steamcracker” produziert jährlich etwa eine Million Tonnen Ethylen, ein Vorprodukt für weitere chemische Erzeugnisse. Insgesamt können nun 70 verschiedene Produkte in Zhanjiang hergestellt werden.
Kamieth ist überzeugt, dass es in drei bis vier Jahren wieder Wachstum geben wird. Doch er dämpft die Erwartungen für die nahe Zukunft und spricht von “tiefe[n] Preise[n]” und “dünne[n] Margen” in der Branche.
Das China-Geschäft von BASF, das rund 14 Prozent am Gesamtumsatz von knapp 60 Milliarden Euro ausmacht, schrumpfte zuletzt. Lag der Umsatz in der Region Greater China im Jahr 2024 noch bei etwa 8,6 Milliarden Euro, waren es im Vorjahr nur noch 8,2 Milliarden Euro. Eine schnelle Erholung ist unwahrscheinlich.
BASF leidet wie der Schweizer Konkurrent Clariant unter dem Mangel an Neuinvestitionen und Modernisierungen in der petrochemischen Industrie. Auch die Immobilienkrise drückt auf die Nachfrage nach BASF-Produkten. Dies zeigt sich auch in den rückläufigen Investitionen, die im vergangenen Jahr erstmals seit kurzem um 3,8 Prozent schrumpften.
Rückenwind kam BASF zuletzt noch von der Autoindustrie, einer weiteren wichtigen Kundengruppe. Im Vorjahr stieg der Absatz chinesischer Pkw auf 24 Millionen Einheiten – ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Jahr 2024. Doch auch hier droht nun Unsicherheit: Der Absatz brach in den ersten zwei Monaten dieses Jahres um 23,1 Prozent ein, nachdem die Subventionen für Neuwagen drastisch gekürzt wurden.
Kamieth macht sich zudem Sorgen über die Überkapazitäten im chinesischen Chemiesektor. Nach dem Immobilienmarktcrash 2021 investierten viele Unternehmen in neue Fabriken, was zu einem gnadenlosen Preiskampf führte. Der Gewinn von 38 chinesischen Chemiefirmen schrumpfte zwischen 2022 und 2023 im Durchschnitt um mehr als 44 Prozent.
Während Wachstumssignale aus den ersten zwei Monaten des Jahres verzeichnet wurden, bleibt die chinesische Wirtschaft in einem strukturellen Abwärtstrend. BASF plant keine Erweiterung des Zhanjiang-Werks, trotz der Wünsche lokaler Politiker.
Insgesamt herrscht bei europäischen Unternehmen und Technologiefirmen die Zuversicht vor, dass es “einfach klappen” muss.