Anil Kumar Sharma, ein indischer Kapitän, war drei Wochen lang mit seinem Tanker vor der Strasse von Hormuz gestrandet, wo er täglich iranische Raketen Richtung Dubai beobachtete. “Zu Beginn hatten wir große Angst, doch schliesslich wurde es zur Routine,” berichtet Sharma. Unter Vermittlung Indiens durfte er die Meerenge am Montag passieren und ist nun auf dem Weg nach Haldia in Indien.
Seit Ausbruch des Konflikts am 28. Februar haben nur vier indische und einige Schiffe aus China, dem Irak, Pakistan und Thailand die Durchfahrt erhalten. Mehr als 2000 Schiffe mit über 20.000 Besatzungsmitgliedern, darunter viele Filipinos, sitzen im Persischen Golf fest.
Sharmas “Pine Gas” sollte am 1. März durchfahren, wurde jedoch kurzfristig umgeleitet, nachdem Teheran die Meerenge mit Raketen beschossen hatte. Er und seine Crew sahen Drohnen über dem Schiff und hielten sich in der Mitte des Meeres bei Sharjah auf, wo sie sich sicherer fühlten.
“Jeden Abend konnten wir iranische Raketen Richtung Dubai beobachten,” erzählt Sharma. Um die Stimmung zu heben, organisierte er Sportspiele an Bord seines Tankers mit 28 indischen Besatzungsmitgliedern. Trotz einer fast geglückten Passage am 13. März musste seine Crew warten, da andere Schiffe Vorrang hatten.
Judy Domingo von der United Filipino Seafarers in Manila berichtet, dass über 6000 philippinische Seeleute vor Hormuz gestrandet sind und viele aus Angst um die Lebensmittelversorgung fischen. Die Gewerkschaft versucht, mit Reedereien Nachschub zu organisieren, doch der psychologische Druck auf die Crews bleibt hoch.
Filipinische Seefahrer befürchten, wegen Verweigerung der Passage durch Krisengebiete in eine schwarze Liste geraten zu können. Die philippinische Regierung ermutigt sie jedoch dazu, das Verweigerungsrecht zu nutzen.
Indien ist von den Gaslieferungen aus dem Golf stark abhängig und hat akute Engpässe bei Kochgas. Nach Gesprächen mit Teheran konnten zwei indische Tanker die Seestrasse passieren, darunter Sharmas “Pine Gas”. Sie fuhren zwischen den iranischen Inseln hindurch, ohne Kontakt zu Iranern.
Vor Muskat wurden sie von indischen Kriegsschiffen bis auf hohe See begleitet. Jetzt ist Sharma auf dem Weg nach Haldia, wo das Schiff Flüssiggas entladen wird. Seine Crew möchte nicht zurück in den Golf.