Der Abstimmungskampf für die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» der SVP hat begonnen. Marcel Dettling, seit Frühjahr 2024 Präsident der SVP Schweiz und Nationalrat aus dem Kanton Schwyz, spricht über den Umgang mit der Kritik der Wirtschaftsverbände.
In einem Interview mit SRF News antwortet er auf die Frage nach möglichen Schäden für Alte und Kranken: «Mit unserer Initiative streben wir eine Rückkehr zu einer moderaten Zuwanderung an. Wir möchten nicht mehr als 100’000 Personen jährlich zulassen, aber dennoch könnten weiterhin bis zu 40’000 Fachkräfte pro Jahr zugelassen werden – das entspricht ungefähr der Hälfte des aktuellen Niveaus.
Dettling betont: «Die enorme Zuwanderung hat auch die Nachfrage nach Gesundheitspersonal stark erhöht. Es entsteht eine Negativspirale, die sich unaufhörlich dreht. Mit 40’000 jährlichen Einwanderern sollten genügend Pflegefachleute und Ärzte für unsere Bevölkerung vorhanden sein.
Trotz der Warnungen von Wirtschaftsverbänden, die prognostizieren, dass bis in zehn Jahren 460.000 Arbeitskräfte fehlen würden, beharrt Dettling auf seiner Ansicht: «Die Zuwanderung hat nicht dazu beigetragen, den Fachkräftemangel zu lindern. Im Dezember letzten Jahres gab es 44’000 offene Stellen – mehr als viermal so viele wie vor Einführung der Personenfreizügigkeit.
Erst im Asylbereich soll eingeschränkt werden, der nur fünf Prozent aller Ausländer in der Schweiz umfasst. Dettling erklärt: «Seit dem Jahr 2000 sind über 650’000 Menschen über die Asylschiene eingereist, wobei nur 17 Prozent als Flüchtlinge anerkannt wurden.
Die Initiative sieht mehrstufige Maßnahmen vor. Bei einer Bevölkerungszahl von 9,5 Millionen sollen im Asylbereich und bei Drittstaatenbesuchern sowie im Personenfreizügigkeitsbereich Einschränkungen vorgenommen werden. Erst wenn die Grenze von zehn Millionen Einwohnern vor 2050 überschritten wird, soll über die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU diskutiert werden.
Dettling räumt ein: «Sollte die Schweiz die Personenfreizügigkeit aufgeben wollen, könnte dies auch Auswirkungen auf Schengen-Dublin haben. Jedoch besteht für beide Seiten ein Interesse daran, dass das Rechtssystem funktioniert und etwa 1,6 Millionen EU- und Efta-Bürger in der Schweiz weiterhin rechtsstaatlich behandelt werden.
Das Gespräch führte Nathalie Christen bei «10 vor 10» am 24. März 2026 um 21:50 Uhr.