Im Mai 2018 verkündete US-Präsident Donald Trump vor begeisterten Anhängern: «Ich werde mich mit Kim Jong-un treffen, um Frieden zu schaffen. Es wird ein grossartiger Erfolg». Wenige Wochen später fand in Singapur das historische Gipfeltreffen zwischen den beiden Staatsmännern statt. Ziel war es, ein bedeutsames Abkommen zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel auszuhandeln, wobei Kim Jong-un die «unerschütterliche Verpflichtung zur Abrüstung» zusicherte und im Gegenzug amerikanische «Sicherheitsgarantien» forderte. Diese Garantien blieben jedoch unbestimmt.
Das zweite Treffen zwischen Trump und Kim 2019 in Hanoi endete ergebnislos, was zu einer Verschlechterung der Beziehungen führte. Acht Jahre später hat sich die Welt verändert: Der neue US-Präsident zeigt eine härtere Linie gegenüber unliebsamen Regimen.
Nordkorea beobachtet diese Entwicklungen genau und sieht im Vergleich zu Teheran einen entscheidenden Vorteil darin, dass es die USA nicht davon abhalten konnten, zur Atommacht aufzusteigen. In einer Rede vor dem Parlament warf Kim Jong-un den USA «Staatsterrorismus und Aggression» vor und betonte, dass der Ausbau des Nuklearwaffenprogramms eine richtige Entscheidung sei.
Frederic Spohr, Leiter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, meint, der Krieg im Iran bestärke Nordkorea in seiner nuklearen Abschreckungsstrategie und liefere wertvolle militärische Erkenntnisse. Laut dem deutschen Politologen sind Irans konventionelle Streitkräfte gegen die USA und Israel chancenlos, doch durch Drohnenoperationen kann Teheran regional Einfluss ausüben.
Spohr vermutet, dass Nordkorea seine Militärstrategie anpassen könnte. Allerdings glaubt er nicht, dass Pjöngjang Verhandlungen in Erwägung ziehen wird, da sich die Beziehungen zu Russland verstärken könnten. Dieses Bündnis bietet einen Weg, unter Sanktionen weiterzubestehen.
Das international isolierte nordkoreanische Regime schirmt seine Bevölkerung strikt ab. Spohr sieht im Angriff auf den Iran eine Warnung für Kim Jong-un: Jede Öffnung birgt die Gefahr des Eindringens feindlicher Einflüsse, sei es durch Freiheitsbestrebungen oder Spionage zur Destabilisierung des Regimes.