Ein ehemaliger Kita-Betreuer soll während seiner Arbeitszeit schwerwiegende Übergriffe an Kleinkindern begangen haben, wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bern Ende Juli 2025 hervorgeht. Die mutmaßlichen Taten ereigneten sich in zwei privaten Kitas im Raum Bern und Winterthur. Das Alter der Opfer lag zwischen einem und vier Jahren, wobei die meisten davon Mädchen waren.
Der Beschuldigte, ein damals 33-Jähriger, war als Gruppenleiter tätig und trug pädagogische Verantwortung für eine Kindergruppe. Die Übergriffe fanden in verschiedenen Räumen der Kitas statt und wurden teilweise gefilmt. Insgesamt wird ihm sexueller Missbrauch an mindestens 15 Kindern über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren vorgeworfen.
Trotz Hinweisen auf mögliche Vergehen, wie Berichten einer besorgten Mutter im Sommer 2022, konnte die Zürcher Staatsanwaltschaft keinen hinreichenden Tatverdacht feststellen. Der Gruppenleiter wurde jedoch von der Kita in Winterthur entlassen und fand später eine Anstellung in Bern, wo er im Februar 2024 aufgrund mutmaßlicher Kinderpornografie verhaftet wurde.
Bei seiner Verhaftung wurden Beweise sichergestellt, darunter Videos der Übergriffe. Die betroffenen Kitas äußerten ihr Entsetzen über die Vorfälle und bestätigten das Vorhandensein von Schutzkonzepten, deren Umsetzung nun in Frage gestellt wird.
Opferanwältin Laura Jost vertritt sieben Familien und meint, dass der systematische Missbrauch auf organisatorische Mängel hinweise. Sowohl die Kita im Raum Bern als auch jene in Winterthur haben ihre Schutzkonzepte angepasst.
Der Beschuldigte hat laut seinem Verteidiger gestanden, 15 Kinder missbraucht zu haben und befindet sich in vorzeitigem Massnahmenvollzug. Sein Prozess findet Ende April beim Regionalgericht Bern statt. Obwohl Geständnis und Filmaufnahmen eine Verurteilung wahrscheinlich machen, gilt bis zum rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.
Für die betroffenen Familien stellt sich die Frage, wie sie und insbesondere die Kinder mit den traumatischen Erlebnissen umgehen werden. Diese frühkindliche Traumatisierung könnte langfristige Folgen haben.