Seit Jahrzehnten nutzen exilierte Sportler ihre Plattform, um gegen Diktaturen zu protestieren. Doch die Unterstützung der Verbände bleibt oft aus.
Im iranischen Sport existiert eine enge Verbindung zwischen Ruhm und Existenzangst. Die Skirennläuferin Atefeh Ahmadi, die 2022 bei den Olympischen Winterspielen als Fahnenträgerin auftrat, beantragte im Anschluss Asyl in Deutschland. Sie wollte sich für Freiheit einsetzen und war die erste Wintersportlerin im Stipendienprogramm des Internationalen Olympischen Komitees für geflüchtete Athleten. Westliche Medien sahen sie als mutiges Vorbild.
Trotzdem kehrte Ahmadi überraschend Anfang 2026 nach Iran zurück, pries das Land als sichersten Ort der Welt und dankte dem obersten Führer Ali Khamenei. Iranische Medien feierten sie als „verlorene Tochter“, die ihre Fehler eingestanden habe.
Zweifel an einer freiwilligen Rückkehr gibt es auch im Fall von sieben iranischen Nationalspielerinnen, die bei der Asienmeisterschaft humanitäres Asyl in Australien erhielten. Fünf zogen ihren Antrag zurück und kehrten nach Hause, während Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh blieben und sich dem Klub Brisbane Roar anschlossen.
Menschenrechtsgruppen sprechen von transnationaler Repression: Angehörige von Exilanten im Iran werden verhaftet oder enteignet. Diese Berichte lassen sich jedoch nicht überprüfen.
Das iranische Regime setzt alles daran, dass prominente Exilstimmen den Druck auf die Innenpolitik nicht erhöhen. Auch Ali Karimi, der ehemalige Nationalspieler mit 127 Länderspielen, erlitt Repressionen wie Beschlagnahmungen und Morddrohungen. Trotzdem setzt er sich weiterhin kritisch ein.
Die Tradition von Sportlern im Exil reicht weit zurück: 1956 nutzten ungarische Athleten die Olympischen Spiele für Asylanträge, und 1975 floh Tennisspielerin Martina Navratilova während der US Open. Auch Enes Kanter, ein ehemaliger NBA-Spieler, kritisiert Präsident Erdogan weiterhin.
Internationale Verbände könnten geflüchteten Athleten mehr Unterstützung bieten, etwa durch Förderprogramme oder psychologische Hilfe. 2015 initiierte das IOC das Refugee Olympic Team, doch nicht alle Verbände folgen diesem Beispiel.
Die internationale Reaktion auf Iran bleibt zögerlich. Die Internationale Judo-Föderation suspendierte Iran vorübergehend wegen Boykottforderungen gegen Israel. Im Fußball schreckt der Weltverband jedoch vor einem Ausschluss zurück, sodass die verbleibenden Spielerinnen in Australien sich alleine behaupten müssen.
Die Frage bleibt offen, warum internationale Verbände diese Propaganda auf dem Rücken ihrer Athleten dulden und ob sie mehr tun könnten, um Exilathleten zu helfen.