In der Schweiz lebende Iranerinnen und Iraner sind oft tief mit ihrer ehemaligen Heimat verbunden, trotz eines Waffenstillstands bleibt die Situation im Nahen Osten ungewiss und angespannt. Saghi Gholipour, Mitgründerin von “Free Iran Switzerland” und Aktivistin für die iranische Zivilgesellschaft, beschreibt ihre Gefühlslage als “ein bisschen erleichtert, aber noch immer sehr besorgt.” Obwohl Angriffe eingestellt wurden, leidet das iranische Volk weiterhin unter dem Regime. Gholipour selbst floh in den 1980er Jahren als Kleinkind vor einem islamistischen Regime.
Die Politikwissenschaftlerin hat von Beginn an den Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran abgelehnt. Innerhalb der iranischen Diaspora sind die Meinungen geteilt: Während einige den Konflikt begrüßten, herrscht jetzt Ernüchterung vor.
“Die anfängliche Begeisterung über Angriffe auf den Iran wird leiser,” so Gholipour. Trotz des Todes hochrangiger iranischer Führungskräfte scheint das Regime stabil zu bleiben. Gholipour zeigt ein Video eines harten Sprechers, der die Bürger auffordert, ihre Kinder für den Kampf zu mobilisieren – ein Zeichen des Märtyrerkults.
Angst herrscht im Iran selbst. Laut einer Bekannten sind Angst und Unterdrückung allgegenwärtig. Regimeangehörige patrouillieren ständig, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Die iranische Gemeinschaft in der Schweiz sorgt sich zutiefst um Verwandte im Iran. Die Zahl der Hinrichtungen ist stark gestiegen, und selbst Minderjährige könnten hingerichtet werden.
Gholipour bleibt bei einem Instagram-Beitrag mit Fotos von vier Jugendlichen, die auf ihre Exekution warten. Diese Nachrichten sind für sie emotional belastend. Sie fordert eine aktive Rolle der Schweizer Aussenpolitik zur Unterstützung dieser Menschen und hält trotz der dramatischen Lage an der Hoffnung auf einen demokratischen Iran fest.