Die internationale Bedeutung von Meerengen wird durch klare Regeln unterstrichen, welche die Befugnisse von Küstenstaaten definieren. Laut Lloyd’s List Intelligence belaufen sich Gebühren für Schiffe, um die Strasse von Hormuz zu passieren, derzeit auf bis zu zwei Millionen Dollar. Diese Praxis eines Mautsystems durch die iranischen Revolutionswächter steht im Widerspruch zum internationalen Seerecht, welches die freie Durchfahrt in internationalen Meerengen garantiert.
Anna Petrig, Professorin an der Universität Basel und Expertin für Seerecht, betont, dass das internationale Recht keine Grundlage für Iran bietet, um die Passage zu blockieren oder Gebühren dafür zu erheben. Ein zentraler Grundsatz des Seerechts ist die freie Durchfahrt durch Meerengen als maritime Verkehrswege, was auch im Kriegsfall gilt.
Die geografische Lage der Strasse von Hormuz unterstreicht ihre Bedeutung: Ohne freien Zugang wären Länder wie Irak, Kuwait, Qatar und Bahrain vom Weltmeer abgeschnitten. Diese Situation vermeiden wollten die Verfasser des Seerechtsabkommens von 1982 (Unclos), das mittlerweile von 171 Staaten und der EU ratifiziert wurde. Iran, die USA und Israel sind nicht beigetreten; jedoch ist das Abkommen auf Gewohnheitsrecht basierend für sie verbindlich.
Das Abkommen erweiterte die Territorialgewässer von drei auf zwölf nautische Meilen, was etwa 22 Kilometern entspricht. Dies änderte die Kontrolle über Meerengen und führte zur Einführung der sogenannten Transitdurchfahrt – ein Konzept, das den freien Durchgang durch solche Wasserwege garantiert und nicht ausgesetzt werden darf.
Christian Bueger, Professor an der Universität Kopenhagen, weist darauf hin, dass die Idee der Gebührenfreiheit historische Wurzeln hat. Der Vertrag von Kopenhagen 1857 beendete Zölle für Schiffe durch dänische Meerengen in die Ostsee, was den internationalen Handel erleichterte.
Iran argumentiert, dass es die Strasse von Hormuz nicht schließt und somit die Durchfahrt erlaubt. In einem Brief an die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) betonte Iran, nur Schiffe des Aggressors zu blockieren. Während militärische Schiffe legitime Kriegsziele sind, bleibt es bei zivilen Schiffen schwierig, ihre Rolle im Konflikt eindeutig festzulegen. Die amerikanische Interpretation könnte sogar einen einzelnen Container rechtfertigen, um ein Schiff anzugreifen, während Iran ähnlich weitgehende Rechtfertigungen bietet.
Für den Schutz ziviler Schiffe erwägt die US-Regierung begleitete Konvois. Doch wie Petrig erläutert, würde dies eine neutrale Position gefährden, wenn sie feindlichen Kriegsschiffen folgen. Die Sicherheit hängt von der Effektivität des Geleitschutzes ab.