Saint-Denis, eine Stadt mit einer der höchsten Kriminalitätsraten in Frankreich, wird von einem neuen linken Bürgermeister regiert. Bally Bagayoko, Mitglied der Linksaussenpartei La France insoumise (LFI), hat angekündigt, die städtische Polizei schrittweise zu entwaffnen und die Sicherheitsstrategie grundlegend zu ändern. Diese Ankündigung löste heftige Debatten aus.
Nach seinem überraschenden Sieg im ersten Wahlgang gegen den sozialistischen Amtsinhaber Mathieu Hanotin wurde Bagayoko, der für LFI antrat, von Tausenden seiner Anhänger gefeiert. Er versprach, Gummigeschosswerfer zu entfernen und langfristig die Verwendung von Schusswaffen infrage zu stellen, allerdings im Rahmen eines schrittweisen Prozesses. Bagayoko argumentiert, Sicherheit entstehe durch weniger Repression und mehr Dialog mit der Bevölkerung.
Dies stellt den bisherigen Kurs unter Hanotin in Frage, der die Polizei stark ausgebaut hatte. Die Zahl der Beamten vervierfachte sich, während die Stadt mit Hunderten von Überwachungskameras ausgestattet wurde. Diese Maßnahmen waren auf eine überdurchschnittliche Kriminalitätssituation reagiert worden, insbesondere im Drogenhandel.
Die Reaktionen sind gespalten: Innerhalb der Polizei wächst der Widerstand, und Gewerkschaften kritisieren die Pläne als gefährliches Experiment. Bagayoko hält dagegen, dass sich nun eine neue politische Linie durchgesetzt habe.
Bagayokos Wahl sorgt landesweit für Aufsehen, nicht zuletzt wegen eines Interviews während der Feierlichkeiten. Dabei wurde er fälschlicherweise als “Stadt der Schwarzen” bezeichnet, was er jedoch als Missverständnis klärte und betonte, ihm gehe es um alle Kinder der Republik.
Die Debatte eskalierte weiter durch einen Vergleich eines rechten Senders mit dem Wahlsieg Bagayokos. Der Bürgermeister kündigte eine Klage an, unterstützt von Innenminister Laurent Nuñez, der rechtliche Schritte gegen den Sender prüft.
Bagayoko, ein ehemaliger Mitarbeiter der Pariser Verkehrsbetriebe mit malischen Wurzeln, wird als volksnah und bescheiden beschrieben. Seine Karriere begann 2001 im Gemeinderat von Saint-Denis, wo er von einem früheren kommunistischen Bürgermeister gefördert wurde. Mélenchon sieht in Bagayokos Sieg ein Zeichen für das “neue Frankreich”, das LFI durch Themen wie strukturellen Rassismus und Polizeigewalt adressiert.