In den letzten Wochen lehnte das iranische Regime wiederholt Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten ab. Doch kurz vor dem Ablauf von Trumps Ultimatum willigte es in eine zweiwöchige Waffenruhe ein und stellte dabei umfangreiche Forderungen auf. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte mehrfach Gespräche mit Iran ins Spiel gebracht, wurde jedoch jedes Mal vom Regime abgelehnt. Ob es sich um indirekte Kontakte oder offizielle Verhandlungen handelte: Die iranische Führung betonte stets ihre Weigerung, mit den USA zu sprechen – bis sie unmittelbar vor Ablauf des Ultimatums einer Waffenruhe zustimmte. Ab Freitag werden Vertreter der US-Regierung, darunter Vizepräsident J. D. Vance, in Islamabad mit iranischen Repräsentanten verhandeln. Teheran legte einen zehn Punkte umfassenden Plan als Verhandlungsbasis vor, den Trump auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social als «brauchbare Grundlage» bezeichnete, obwohl die iranischen Forderungen kaum mit US-Interessen übereinstimmen. Für Iran sind drei Aspekte entscheidend: eine Garantie gegen zukünftige Angriffe durch Israel und die USA; die Aufhebung der umfangreichen Sanktionen; sowie die Kontrolle über die Straße von Hormuz. Obwohl Iran Schiffsverkehr während der Verhandlungen erlaubt, bleibt der Anspruch auf Kontrolle bestehen. Die Meerenge war bis zum Krieg ein internationales Gewässer. Nun nutzt Teheran die Kontrolle über den Seeweg als Druckmittel in den Verhandlungen – eine Option, die auch zukünftig ohne großen Aufwand genutzt werden kann. Iran plant zudem Gebühren für den Frachterverkehr und Trump scheint dieser Idee nicht abgeneigt. Laut Experten wie Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität spielte Irans strategischer Vorteil bei der Straße von Hormuz eine Rolle bei der Entscheidung zur Waffenruhe. Auch die massiven US-Drohungen, zivile Infrastruktur zu zerstören, trugen dazu bei. Trotz internationaler Kritik an Trumps Drohungen kann Iran mit erhobenem Haupt in die Gespräche gehen, meint Fuchs. «Iran hat es geschafft, auf seiner Grundlage zu verhandeln – ein großer Erfolg», so der Experte. Die Verhandlungen könnten jedoch schwierig und ergebnislos bleiben, trotz einer möglichen Verlängerung der Waffenruhe. Die USA hoffen vielleicht auf das Zusammenbrechen des Regimes, während die wirtschaftliche Krise in Iran sich weiter verschärft hat. Das iranische Regime bleibt an der Macht und konnte Raketenangriffe starten sowie die globalen Energiemärkte durch Blockaden beeinflussen. Die Waffenruhe bietet eine Atempause, und es ist möglich, dass Mojtaba Khamenei öffentlich erscheint – sein Einfluss bleibt jedoch unklar. Die Unsichtbarkeit des neuen Revolutionsführers hat den Einfluss der Revolutionswächter gestärkt. Laut Fuchs könnte dies auf einen Iran ohne dominierende klerikale Führung hindeuten. Trump will mit einem Regime verhandeln, das er zuvor nur mit «bedingungsloser Kapitulation» akzeptieren wollte. Teheran kann nun aus einer unerwarteten Position der Stärke heraus agieren und auf seine Erzählung bauen: dass die USA nichts gegen die Islamische Republik ausrichten können.