Mit dem Älterwerden verändert sich der Körper, doch bleibt das Prinzip bestehen: Wer sich ausgewogen ernährt, benötigt keine zusätzlichen Nährstoffe – es gibt jedoch Ausnahmen. Ein Leser fragte, ob er als 62-jähriger gesunder Mann regelmäßig bestimmte Ergänzungsmittel einnehmen sollte.
Dorothee Volkert, Professorin für Klinische Ernährung im Alter an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg, antwortet klar mit «Nein». Auch über 60 Jahre hinaus sind keine Nahrungsergänzungsmittel erforderlich. Der alternde Körper benötigt zwar weniger Kalorien, doch bleibt die vollständige Palette an Nährstoffen essentiell – von Proteinen und Fetten bis zu Vitaminen und Spurenelementen. «Für gesunde Menschen, die sich abwechslungsreich nach gängigen Ernährungsempfehlungen ernähren, sind Supplemente unnötig», so Volkert. Der Gesundheitszustand ist entscheidend, nicht das Alter.
Ohne Symptome und bei ausgewogener Ernährung kann man sich bis ins hohe Alter sicher fühlen. «Forschung zeigt, dass gesunde Menschen durch Ergänzungsmittel keine zusätzlichen Vorteile erzielen», ergänzt Volkert. Präventiv helfen sie weder gegen kognitiven Leistungsabbau noch zur Infektionsverhütung.
Eine Überdosierung birgt Risiken, da der Körper unterschiedliche Toleranzen aufweist und für viele Vitamine und Mineralstoffe Höchstmengen festgelegt sind. Mangelerscheinungen treten meist bei eingeschränkter Mobilität oder chronischen Krankheiten auf, die eine einseitigere Ernährung verursachen können.
Bei geringer Bewegung kann es sinnvoll sein, Vitamin D zu ergänzen – sofern durch einen Bluttest ein Mangel festgestellt wird. In der Praxis nehmen jedoch rund ein Drittel in Deutschland und der Schweiz Supplemente, oft ohne medizinische Beratung.
Anzeichen für einen Arztbesuch sind wiederkehrende Mundrisse, Mundentzündungen oder Krämpfe. Nährstoffdefizite entwickeln sich langsam; eine Abklärung ist sinnvoll, wenn Symptome auftreten. Regelmäßige Bluttests ohne Symptome sind nicht nötig.
Magen-Darm-Erkrankungen im Alter können die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen, und einige Medikamente wechselwirken mit ihnen. Bei Krankheiten oder Medikamenteneinnahme sollte der Arzt konsultiert werden.
Eine Ernährungsberatung kann bei speziellen Diäten wie Veganismus hilfreich sein. Volkert betont: Natürliche Nährstoffe aus einer abwechslungsreichen Ernährung sind dem Körper besser verfügbar und schmecken auch besser.
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