In Rom herrscht große Enttäuschung über die verpasste Qualifikation Italiens für die Fußball-WM in Amerika. Die Nationalmannschaft unter Trainer Gennaro Gattuso schied im Entscheidungsspiel gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Penaltyschießen aus.
Es ist bereits das dritte Jahr hintereinander, dass der vierfache Weltmeister sich nicht für eine WM-Endrunde qualifizieren konnte. Die «Gazzetta dello Sport» beschreibt das Ergebnis als “historische Niederlage”.
Die Enttäuschung ist groß: Was für eine Misere, was für eine Schande – so die Stimmen aus Italien. Dennoch hat sich das Land an solche Fußball-Niederlagen gewöhnt, und das Interesse am Sport hat im Belpaese erheblich nachgelassen.
In einer kleinen Bar in Rom steht Antonello hinter dem Tresen und serviert Kaffee. “Nein, ich habe mir das Spiel nicht angeschaut. Das ist ja nicht mehr mit anzusehen”, klagt er. Auch seine Familie hat den Fernseher nicht eingeschaltet.
“Warum?», wird gefragt. Antonello antwortet: “Leider setzen die italienischen Clubs nur noch auf ausländische Spieler, und so gibt es in Italien keine eigenen Stars mehr.”
An der Wand hängt ein leicht angestaubter gelboroter Schal der AS Roma. In dieser kleinen Bar neben dem Vatikan versteht man den Fußball.
Carlo, ein Tifoso, sagt: “Ich bin sehr enttäuscht. Der Match gestern hat mir gar nicht gefallen.” Luigi sitzt daneben und trinkt einen Cappuccino: “Ich habe nur die erste Halbzeit geschaut, dann ging ich ins Bett. Seine Kinder interessieren sich überhaupt nicht für das Spiel, sondern lieber für Tennis oder Radsport.
Vor kurzem waren sie begeistert vom Medaillenerfolg bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina.
Ist also das Ende des italienischen Calcio gekommen? “Nein, der italienische Fußball wird sich erholen”, prophezeit Carlo. Doch auch diese Aussage wurde bereits vor vier und acht Jahren getätigt.
Inzwischen hat fast eine ganze Generation junger Italiener noch nie bei einer WM für die Azzurri gefiebert.