Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM hat mögliche unfaire Geschäftspraktiken von Kosmetikfirmen aufgedeckt, die Minderjährige und teilweise sogar Kinder unter zehn Jahren ansprechen. Diese Praktiken sollen Jugendliche in eine Art Fixierung auf Hautpflegeprodukte führen, welche eigentlich für Erwachsene konzipiert sind – darunter Anti-Aging-Cremes sowie Gesichtsmasken.
Sephora und Benefit, zwei Marken des LVMH-Konzerns, stehen im Fokus der Untersuchung. Ihnen wird vorgeworfen, wesentliche Informationen auf Produktbeschreibungen zu unterlassen, etwa Warnhinweise darüber, dass die Produkte nicht für Minderjährige getestet oder geeignet sind. Die AGCM vermutet zudem, dass diese Marken irreführende Informationen verbreiten und durch das häufige kombinierte Verwenden der Produkte gesundheitliche Schäden bei Kindern entstehen könnten.
Ein weiterer Vorwurf betrifft die Nutzung junger Influencerinnen für ein verdecktes Marketing auf Social Media Plattformen. Diese oft kaum bekannten Werbebotschafterinnen sollen trotz geringer Follower-Zahlen gezielt Minderjährige erreichen. Allerdings lässt sich dieses Phänomen weder in Italien noch europaweit quantifizieren, da laut der Datenschutzverordnung die Einkäufe von Personen unter 18 Jahren nicht erfasst werden dürfen.
Im vergangenen Jahr berichtete das italienische Nachrichtenportal «Il Post», dass Parfümladen-Geschäftsführerinnen vermehrt mit präpubertären Kundinnen zu tun hätten, die oft in Gruppen und ohne Eltern einkaufen. Diese Mädchen kämen häufig mit dem genauen Betrag für ein Produkt, das sie auf TikTok entdeckt hatten.
Die AGCM muss nun klären, ob eine Verbindung zwischen den betroffenen Marken und Mikro-Influencerinnen besteht. Inzwischen hat die italienische Finanzpolizei Ermittlungen gegen Sephora und Benefit eingeleitet. Die Firmen versichern jedoch ihre Kooperation mit den Behörden und beteuern, alle Gesetze einzuhalten.
Obwohl sich die Regierung noch nicht positioniert hat, reichte die Lega, eine Partei der italienischen Rechten, einen Gesetzesentwurf ein, um Jugendlichen unter fünfzehn Jahren den Zugang zu Social Media in Italien zu verbieten.