Die Organisation der Betreuung während langer Schulferien stellt viele berufstätige Eltern vor Herausforderungen. Ein neues Modell könnte Abhilfe schaffen: die Jahresschule in Belp, bei der Kinder künftig nur noch vier Tage pro Woche zur Schule gehen und dafür auf 13 Ferienwochen halbjährlich sechs Wochen reduziert werden.
Lennart Overdiek und Marlies Erb haben sich für ihre älteste Tochter entschieden, um den Alltag zu entzerren. An der Jahresschule wird die Betreuung ganztägig von 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr durch dieselben Personen am selben Ort gewährleistet. Marlies Erb hebt hervor: «Unsere Tochter muss nicht mehr zwischen Mittagsbetreuung und Schule wechseln, was den Alltag ruhiger gestalten dürfte.» Die Familie plant zudem die verlängerten Wochenenden für gemeinsame Aktivitäten zu nutzen.
Martina Lutz hat sich aus ähnlichen Gründen entschieden: Ihre Tochter fand lange Ferien ohne Freunde langweilig und fragte bald nach dem Wiederbeginn des Kindergartens. Die Viertagewoche könnte ihrer Nachteule-Tochter helfen, mit mehr Energie in den Tag zu starten.
Stephan Schöll, künftiger Lehrer der Jahresschule, sieht das Modell als Chance zur Neugestaltung der Schulorganisation und zur Entlastung von Familien. Er betont die Vorteile einer durchgehenden Betreuung für einen umfassenderen Einblick in den Alltag der Kinder.
Dagmar Rösler vom Lehrerverband begrüßt das Pilotprojekt, sieht jedoch Fragen bezüglich der Regeneration und der Arbeitsbelastung von Lehrenden bei einem dichteren Stundenplan. Das Projekt beginnt nach den Sommerferien 2026 und wird wissenschaftlich durch die Pädagogische Hochschule Bern begleitet.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 11.5.2026, 17:30 Uhr