Als Sohn eines Tagelöhners zur Welt gekommen, wurde James Cook zum berühmten Kapitän und einer der bedeutendsten Entdecker seiner Zeit. 250 Jahre nach seinem letzten Ausflug offenbaren neue Erkenntnisse eine facettenreiche Persönlichkeit. Am 14. Februar 1779 wurde Captain James Cook in der Kealakekua Bay auf Hawaii von einer wütenden Gruppe hawaiianischer Krieger angegriffen und getötet. War dies das Werk unzivilisierter Wilder, Rache für die Dreistigkeit der Eindringlinge, Schutz des hawaiianischen Königs oder eine Verletzung religiöser Bräuche? Die Gründe für Cooks Tod bleiben bis heute rätselhaft und faszinieren weiterhin. Der amerikanische Historiker Hampton Sides beleuchtet in seinem Buch „Cooks letzte Reise. Die fatalen Folgen eines geheimen Auftrags“ die Expeditionen im Kontext der Kolonialismus-Debatte neu. Nach intensiver Forschung analysiert er unter anderem Cooks Logbücher und unabhängige Berichte, ergänzt durch Einheimischen-Erzählungen, anthropologische und archäologische Erkenntnisse. Sides beschreibt, wie die kolonialistische Haltung der europäischen Entdecker sowie deren Überheblichkeit gegenüber Naturvölkern zu Konflikten führte. Cooks Tod wird als Ergebnis einer psychischen Veränderung und eines geheimen Auftrags interpretiert. Als am meisten gereister Seefahrer seiner Zeit unternahm Cook zwei wissenschaftliche Weltumsegelungen, die der Erforschung dienten. Die dritte Reise hatte jedoch auch imperiale Ziele: Die Admiralität beauftragte ihn, den Tahitianer Omai zurückzubringen und britische Landwirtschaft nach Polynesien zu bringen. Cooks Versuche scheiterten größtenteils; er selbst war sich bewusst, dass seine Besuche in „Garten Eden“ die einheimischen Kulturen zerstörten. Seine dritte Reise veränderte ihn zusehends: Er wurde müde und starrsinnig, was die Mannschaft irritierte. Die geheime Mission bestand darin, für Großbritannien von der pazifischen Seite aus die Nordwestpassage zu finden. Cook kartierte strategisch bedeutende Gebiete in Nordamerika. Obwohl er die Passage nicht fand, beanspruchte er Territorien im Namen des britischen Königs. Auf Hawaii endete Cooks Besuch tragisch: Er wurde möglicherweise mit dem Gott Lono verwechselt und missachtete religiöse Zyklen. Sein Tod löste eine gewaltsame Auseinandersetzung aus, die in seinem Martyrium endete. Sides betont, dass Cook vor allem Entdecker war, nicht Eroberer oder Kolonialist. Trotzdem folgten ihm Besatzer und Verheerer im Kielwasser, was zu einem tiefgreifenden Umbruch in den indigenen Kulturen führte. James Cook bleibt eine ambivalente Figur der Aufklärung, deren Erbe bis heute kontrovers diskutiert wird.