Die amerikanische Raumfahrtpolitik hat in den letzten Jahren einen ziellosen Eindruck hinterlassen. Die Artemis-2-Mission könnte nun eine Trendwende einleiten. “Nach einer Pause von 54 Jahren fliegt die Nasa wieder Astronauten zum Mond”, sagte der Direktor Jared Isaacman mit Humor kurz nach dem erfolgreichen Start der Mission, als er sich an die Medien wandte. Statt den Erwartungen entsprechender Elogen auf die USA oder Loblieder auf die mutigen Astronautinnen und Astronauten zu entsprechen, bedankte sich Isaacman bei der gesamten Belegschaft für ihren Beitrag zur Artemis-2-Mission.
Isaacmans Kommentar hebt sich von den schwülstigen Äußerungen einiger seiner Vorgänger ab. Seit seinem Amtsantritt im Dezember letzten Jahres hat er einen frischen Wind in die Nasa gebracht, was dringend notwendig ist. In der Vergangenheit konnte sich die amerikanische Raumfahrtbehörde nicht entscheiden, ob sie zum Mond, Mars oder einem anderen Himmelskörper fliegen sollte. Diese Zögern kostete Milliarden Dollar und brachte wenig Ertrag. Der Ruhm aus der Apollo-Ära begann zu verblassen.
Die Rechnung präsentierte sich letztes Jahr deutlich: Präsident Trump drohte mit drastischen Kürzungen des Nasa-Budgets. Seit seinem Amtsantritt verließen fast 4000 Mitarbeiter die Behörde, was etwa 20 Prozent der Belegschaft entspricht. Zudem hatte Isaacman zeitweise das Vertrauen von Präsident Trump verloren und stand somit führungslos da – eine schlechte Ausgangslage im Wettstreit mit China um die Vorherrschaft im Weltraum.
Isaacman zeigt sich entschlossen, das Ruder herumzureißen. Er hat bereits das Nasa-Mondprogramm vollständig neu ausgerichtet: Die Entwicklung der überteuerten Mondrakete wird eingestellt und auch die Pläne für eine um den Mond kreisende Raumstation fallen weg, deren Zweck unklar war. Nun soll vorrangig der Bau einer Bodenstation in der Nähe des Südpols des Mondes erfolgen.
Solche Entscheidungen erfordern Mut, da amerikanische Firmen lukrative Aufträge verlieren und einige Nasa-Zentren benachteiligt werden. Dennoch gab es kaum Widerstand. Isaacman scheint nicht nur Orientierung zurückzugeben, sondern auch die Menschen von seinen Visionen zu überzeugen.
Ob das ausreicht, um die Nasa wieder auf Kurs zu bringen, ist noch ungewiss. Die USA und China liefern sich einen Wettlauf zum Mond, der tatsächlich eine Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Weltraum darstellt. Es geht nicht nur um Claims für wertvolle Rohstoffe, sondern vor allem um die Technologien zur Landung und längeren Verweildauer auf dem Mond, welche auch den erdnahen Weltraum dominieren könnten – ein wirtschaftlich und militärisch zunehmend bedeutender Bereich. Die USA können es sich kaum leisten, hier ins Hintertreffen zu geraten.
Von einer Landung auf dem Mond kann man noch nicht sprechen. Dennoch sollte der Effekt der Artemis-2-Mission nicht unterschätzt werden: Wenn sie das Vertrauen in die amerikanische Raumfahrtpolitik stärkt, wäre viel gewonnen. Isaacman wird diesen Rückhalt benötigen, um weiterhin unpopuläre Entscheidungen treffen zu können und sicherzustellen, dass die USA vor China auf dem Mond landen.