“Kallemi” bedeutet auf Arabisch so viel wie “Sprich mit mir”, und diese Einladung zum Dialog wird von den vier Musikerinnen ernst genommen. Sie konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf Themen wie Migration, Identität, Zugehörigkeit und Empowerment – Anliegen, die sie trotz unterschiedlicher Herkunft eint.
Die Schweizer Musikerinnen Jasmin Albash und Jennifer Perez, bekannt als La Nefera mit Wurzeln aus der Dominikanischen Republik und rappt auf Spanisch, treffen auf die palästinensischen Sängerinnen Maysa Daw und Rasha Nahas. Letztere stammen ursprünglich aus Haifa im Norden Israels; Rasha Nahas lebt gegenwärtig in Berlin und hat auch Verbindungen nach New York.
Maysa Daw erklärt: “Im Projekt suche ich einen Heimatbegriff, der über geografische Orte hinausgeht. Ich fühle mich sehr mit Palästina verbunden.” Sie ist auf der Suche nach einer mentalen Heimat und reflektiert darüber, wie sie sich sicher fühlt und Wege findet, nicht ständig für die alltäglichen Dinge kämpfen zu müssen.
2018 initiierte das Kulturzentrum Kaserne Basel ein Austauschprojekt zwischen der Schweiz und Palästina. Die Basler Musikerinnen Jasmin Albash und La Nefera wurden an die Palestine Music Expo in Ramallah geschickt, um dort Musikerinnen für ein Konzertprogramm zu finden. “Anfangs gab es Skepsis: Was macht ihr hier? Woher kommt ihr?”, erinnert sich Jasmin Albash. “Doch während unseres Aufenthalts hat schnell eine Chemie entstanden.”
Nach einem erfolgreichen Showcase in der Kaserne Basel folgten Konzerte auf einer internationalen Tournee durch Kanada, Deutschland, Palästina und Grossbritannien. Die Musik für die erste Kallemi-EP, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, entstand während dieser Reisen und spiegelt sich im Titel “Viajeras” wider – Spanisch für Reisende.
Die Veröffentlichung der EP verzögerte sich aus verschiedenen Gründen. La Nefera merkt an: “Nach acht Jahren fühlt sich das Projekt immer noch frisch an.” Aufgrund der unregelmässigen Treffen, die durch viele Pausen geprägt sind, erlebt jedes Zusammentreffen etwas wie einen Neuanfang.
Die EP “Viajeras” wurde kürzlich auf einer Schweizer Release-Tour vorgestellt, mit Auftritten in Bern und Zürich sowie einem großen Event in Basel. Weitere Konzerte stehen im Juli und August an.
Kallemis Musik lässt sich keiner klaren Kategorie zuordnen; sie lebt von ihrer Offenheit. Zwischen Synth-Klängen, Gitarrenlinien, organischen Beats auf dem “Kürbisinstrument” Calabash und mehrstimmigen Gesangsparts entsteht ein vielschichtiger Sound, der zwischen Hip-Hop, Rock und Pop angesiedelt ist.
Kallemis Klang ist mal schwebend, mal atmosphärisch: Ihre Musik bietet Raum für die individuellen Persönlichkeiten und Lebenserfahrungen der vier Musikerinnen. Texte über Heimat auf Arabisch, Spanisch und Englisch verschmelzen zu einer universellen Klangsprache.