Weltweit teilen sich Staaten in 92 Autokratien und 87 Demokratien auf, wie jährlich vom «Economist» veröffentlichte Indizes zeigen. In diesen messen sie Faktoren wie Wahlprozess, Pluralismus, Freiheit der Bürger, politische Teilhabe, Kultur sowie Regierungsfunktion. Die Forschung an der Universität Würzburg durch Hans-Joachim Lauth und am Institut «Varieties of Democracy» in Göteborg bestätigt einen Anstieg autokratischer Staaten; laut letzterer leben 74% der Weltbevölkerung in Autokratien. Die Schweiz gilt als nahezu perfekte Demokratie, mit signifikanten Unterschieden im innerkantonalen Einfluss des Volkes.
In Glarus und Appenzell Innerrhoden besitzen Stimmberechtigte die höchste Macht durch ihre Landsgemeinde. Jeder kann in Glarus einen Memorials- oder Änderungsantrag stellen, während in Appenzell jeder eine Initiative einbringen darf. In beiden Kantonen ist das Wahlrecht erweitert: 16-Jährige dürfen abstimmen und die Bevölkerung wählt jährlich Regierung und Kantonsgericht.
Allerdings würden internationale Standards die Demokratie in diesen Kantonen aufgrund fehlender Stimmgeheimnisgarantien und der Pflicht zur Teilnahme an festgesetzten Versammlungen nicht als perfekt bewerten. Dagegen erfüllen Zürich, Aargau, Baselland, Solothurn, Luzern, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Bern und Genf die Anforderungen. Hier reichen maximal zwei Prozent der Stimmberechtigten für Initiativen oder Referenden aus.
Diese Kantone verfügen über niederschwellige Zugänge zu den Volksrechten; einige erweiterten diese sogar: In Bern, Uri, Solothurn, Schaffhausen und dem Thurgau kann die Bevölkerung Regierung oder Parlament abberufen. Im Tessin ist dies nur für die Regierung möglich. Die «Volksmotion» gibt in Zürich, Solothurn, Schaffhausen, Freiburg und Neuenburg 100 (bzw. in Freiburg 300) Stimmberechtigten das Recht zur Stellung von Parlamentsanträgen; in Appenzell Ausserrhoden kann jeder Bürger einen Antrag stellen.
Einige Kantone wie Neuenburg, Jura und auf Gemeindeebene auch Freiburg, Waadt, Genf sowie einige Dörfer Graubündens und Appenzell Ausserrhodens gewähren Ausländern Stimmrecht. Die Sammelfristen für Initiativen und Referenden variieren: Uri, Schaffhausen, Graubünden, Wallis, Schwyz, Nidwalden und Zug bieten großzügigere Fristen an als Genf mit seinen kurzen Zeiten von 40 Tagen bzw. vier Monaten.
Alois Sulzer ermittelte 1999 für die Schweizer Kantone einen Demokratie-Index, wobei Landsgemeindekantone ausgeschlossen waren. Spitzenreiter waren Uri, Solothurn, Baselland, Schaffhausen und Aargau. Aktuellere Daten zeigen Glarus, Aargau, Obwalden, Solothurn, Wallis, Schaffhausen, Uri und Graubünden als besonders demokratisch an.
Die hohe Demokratiedichte in den Schweizer Kantonen wird oft geschätzt, doch gibt es Forderungen nach höheren Unterschriftenhürden für Initiativen, um Missbrauch zu vermeiden. Daniel Kübler von der Universität Zürich betont jedoch, dass Reformen sich hauptsächlich auf obligatorische Referenden konzentrierten und die Zugänglichkeit erhalten bleiben sollte. Ein Rückgang in der Nutzung sei eher durch Ermüdung als durch Missbrauch zu erklären.