Am Samstag beginnt in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eine historische Konferenz, bei der erstmals Delegationen beider Konfliktparteien direkt zusammenkommen. Die Divergenz ihrer Standpunkte ist beträchtlich, was die Aussichten auf eine Verständigung erschwert und das Risiko einer Fortsetzung des Konflikts erhöht.
Die Gespräche, initiiert von Pakistan nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran, sehen Vizepräsident J. D. Vance an der Spitze der US-Delegation. Er ist bekannt für seine kritische Haltung gegenüber dem Krieg und hatte Präsident Donald Trump vor dem Angriff bezüglich der Erfolgsaussichten skeptisch beraten. Begleitet wird er von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie von Sondergesandten Steve Witkoff, die beide den letzten Genfer Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm vorsaßen.
Die Iraner haben ihre Teilnahme abgelehnt, da sie keine Vertrauensbasis mehr zu den beiden US-Vertretern sehen und ihnen Verrat in Genf vorwerfen. Trotz eines Berichts der Regierung Omans über einen möglichen Durchbruch bei diesen Gesprächen erfolgte zwei Tage später der Angriff. Die iranische Delegation wird von Außenminister Abbas Araghchi und dem Parlamentssprecher Mohammed Bagher Ghalibaf angeführt, die beide als erfahrene Vertreter gelten.
Pakistan, vertreten durch Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir, stellt das Hotel Serena in der Roten Zone von Islamabad als Verhandlungsort zur Verfügung. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden bereits Tage vorher verstärkt, da Pakistan seit Ende Februar im Krieg mit dem Taliban-Regime steht und zuletzt einen Selbstmordanschlag erlebte.
Die Verhandlungen sollen klären, was ein dauerhaftes Friedensabkommen beinhalten könnte. Die USA verlangen von Iran den vollständigen Rückzug seiner Truppen aus der Golfregion sowie die Aufhebung aller Sanktionen und des Waffenembargos. Zudem soll Iran auf Urananreicherung verzichten, seine Raketenbestände begrenzen und die Unterstützung für Milizen wie Hizbullah, Hamas und die Huthi in Jemen einstellen.
Iran hingegen präsentierte einen Zehn-Punkte-Plan, der von Trump als Verhandlungsgrundlage anerkannt wurde. Dies umfasst den Abzug aller US-Truppen aus dem Golf, die Aufhebung sämtlicher Sanktionen und die Anerkennung des Rechts auf Urananreicherung. Die Meerenge von Hormuz ist ein weiterer zentraler Konfliktpunkt: Nachdem Iran sie blockiert hatte, strebt es nun eine Gebühr für deren Nutzung an.
Trumps Position als Sieger des Krieges ist fragil, da seine Verhandlungsposition durch die Blockade geschwächt wurde. Obwohl militärisch erschüttert, sieht sich Iran politisch gestärkt und verweigert sich unnachgiebig den Forderungen der USA. Vor Beginn der Gespräche betonte Mojtaba Khamenei Irans Entschlossenheit, seine Rechte nicht aufzugeben.
Israel nimmt nicht an den Verhandlungen teil, was eine Herausforderung darstellt, da Netanjahu die Ursache für den Konflikt war. Trotz der Waffenruhe lehnt er einen Rückzug aus Libanon ab, was als Versuch gesehen wird, die diplomatischen Bemühungen zu untergraben.