Als Beschaffungsvorstand von Volkswagen kauft Karsten Schnake jährlich für rund 150 Milliarden Euro von mehr als 65.000 Lieferanten weltweit ein. Im Gespräch berichtet er über die Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Lage, US-Zölle und verschärfte Sparziele auf den Einkauf bei VW.
Die Blockade der Straße von Hormuz infolge des Konflikts im Iran sowie der plötzliche Lieferstopp durch den Halbleiterhersteller Nexperia haben die internationalen Logistikketten erheblich beeinträchtigt. Schnake betont, dass VW mit alternativen Routen und Quellen gut auf solche Ereignisse vorbereitet ist.
Die Versorgungssicherheit hat bereits vor zwei Jahrzehnten Priorität im Einkauf von VW erhalten. Ein zentrales Element der Strategie ist ein Frühwarnsystem zur Risikoerkennung. Trotzdem kam es in jüngerer Vergangenheit immer wieder zu Engpässen, etwa bei Halbleitern.
VW hat aus diesen Erfahrungen gelernt und intensiviert den Austausch mit Lieferanten wie Halbleiterherstellern, um künftige Probleme besser antizipieren zu können. Bei politischen Krisen oder Umweltgefahren versucht das Unternehmen, durch flexible Teams und vertrauensvolle Beziehungen zu seinen Partnern vorbereitet zu sein.
Ein Teil der Strategie besteht darin, kritische Bauteile über ein externes Logistikunternehmen und Skoda auf Vorrat zu halten. Dieser Ansatz hat sich in den letzten zwei Jahren bewährt und wurde auch erfolgreich an andere Hersteller weitergegeben.
Die Einfuhrzölle in die USA haben VW dazu gezwungen, seine Lieferketten neu zu organisieren. Dabei ist besonders wichtig, Freigabeprozesse und Qualitätskontrollen bei der Umstellung von Lieferanten aus Mexiko auf US-Produzenten sicherzustellen.
Der Übergang zur Elektromobilität verläuft regional unterschiedlich. Während in Nordeuropa Fortschritte gemacht werden, wird es in anderen Regionen noch längere Zeit Verbrenner geben. VW passt sich diesen regionalen Unterschieden an und bleibt mit den richtigen Partnern auf dem Markt.
VW hat auch traditionelle Zulieferer in der Elektromobilität integriert. Durch Investitionen in Unternehmen wie Rivian sollen beide Seiten von technologischem Know-how profitieren. Trotz Herausforderungen haben viele etablierte deutsche Zulieferer ihre Strategien angepasst und sind wieder konkurrenzfähig.
Im Geschäftsmodell spielt die enge Zusammenarbeit mit Partnern eine zentrale Rolle, auch wenn harte Verhandlungen geführt werden müssen. VW zeigt Verantwortung gegenüber seinen 66.000 Lieferstandorten und unterstützt diese gegebenenfalls finanziell.
Um zukünftig mehr zu sparen, will VW Gleichteile stärker nutzen und von Partnern effizientere Logistik- und Produktionsmethoden einfordern. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten bleibt die Nachhaltigkeit im Fokus der Unternehmensstrategie.
Schnake betont die Bedeutung des gegenseitigen Verständnisses in Geschäftsbeziehungen, um von beidseitiger Zusammenarbeit zu profitieren.