Die Situation am Energiemarkt könnte sich verschärfen, sollten die Kriegsparteien vermehrt auf die Infrastruktur der Energieträger im Persischen Golf zielen. Der Transportsektor leidet besonders unter dem Mangel an Kerosin und Diesel.
Erdöl und Erdgas sind zentral für die Weltwirtschaft. Fünf Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs ist das Angebot dieser Ressourcen nicht nur teuer, sondern droht auch knapp zu werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor großen Engpässen bei den mittleren Erdöldestillaten wie Kerosin und Diesel. Besonders die Luftfahrtbranche meldet zunehmende Bedrohungen, da der Persische Golf eine wichtige Quelle für raffinierte Erdölprodukte darstellt.
Die Märkte für Mitteldestillate sind weltweit angespannter als jene für andere Produkte. Daher sehen Raffinerien außerhalb der Region wenig Möglichkeiten, die Produktion von Diesel und Kerosin zu erhöhen, um Engpässe auszugleichen. Laut Schätzungen stammt zwischen 40 und 60 Prozent des europäischen Kerosins aus dieser Golfregion.
In Italien sind erste Auswirkungen spürbar. Medienberichten zufolge gibt es an Flughäfen wie Mailand-Linate, Bologna, Treviso und Venedig Engpässe. Air BP Italia, ein Unternehmen von BP, meldete eine reduzierte Verfügbarkeit von Jet-A1-Kerosin. Obwohl das Betreibungsunternehmen Save die Bedeutung der Einschränkungen für Flüge minimiert, bestätigt die italienische Zivilluftfahrtbehörde den Kerosinmangel.
In Deutschland gibt der Münchner Flughafen Entwarnung. Der Betrieb und die Treibstoffversorgung verlaufen normal, so ein Sprecher. Auch in Frankfurt und Zürich sind keine Probleme bekannt. Die Lufthansa Group bereitet sich auf eine Kerosinkrise vor, indem sie Maßnahmen ergreift, um gegebenenfalls Flugzeuge am Boden zu lassen. Konzernchef Carsten Spohr erwähnte in einem Interview mit der FAZ, dass die amerikanische Partnergesellschaft United Airlines bereits Einschnitte angekündigt habe.
Kerosinmangel könnte sich außerhalb Europas zeigen. Die Gruppe erhält Signale von asiatischen Flughäfen über mögliche Engpässe und nimmt keine zusätzlichen Flüge mehr an. Neben den Engpässen steigen die Kosten für Kerosin stark, mit Preiserhöhungen um bis zu 60 Prozent seit dem Konfliktbeginn. Airlines könnten diese Kostensteigerung auf die Ticketpreise übertragen, wie es in Asien bereits geschieht.
Die strategisch wichtige Meerenge von Hormuz ist seit Kriegsbeginn für Schiffe weitgehend geschlossen. Frühere Tanker erreichen nun ihre Zielhäfen, jedoch droht der Nachschub aus dieser Region zu versiegen. JP Morgan warnt, dass Asien bereits keine Tanker mehr erhält und Europa sowie die USA bald folgen könnten.
Der Golfkonflikt beeinträchtigt über betroffene Branchen hinaus Wirtschaftssektoren weltweit. Deutsche Forschungsinstitute senkten ihre Wachstumsprognose für 2026 deutlich, wobei der Iran-Krieg einen wesentlichen Teil des Rückgangs verursacht. Ökonomen rechnen auch in Europa und Asien mit konjunkturellen Dämpfern.
Asien hat im Transportsektor Sparmaßnahmen eingeführt, darunter Fahrzeugnutzungsbegrenzungen und Geschwindigkeitsreduzierungen. In Korea beispielsweise dürfen Privatfahrzeuge an bestimmten Tagen nicht fahren. Auch Europa reagierte mit Beschränkungen: Deutschland limitiert Preiserhöhungen bei Tankstellen, Ungarn setzt Preisdeckel für Benzin.
Sollte US-Präsident Trump seine Drohungen umsetzen und die Energieinfrastruktur Irans angreifen, könnten die Konsequenzen des Golfkriegs weiter steigen. Die Folge wären noch höhere Preise und verstärkte Knappheiten.