Ein Schock erfasste Anfang des Jahres die Bewohner eines Aarauer Seniorenzentrums: Nach über drei Jahrzehnten musste das Seniorenzentrum Walthersburg Konkurs anmelden. Ende Januar wurde der Betrieb eingestellt, was den Einwohnern vor allem durch die dadurch entstandene Einsamkeit zu schaffen macht.
Im beliebten Wohnquartier Zelgli von Aarau leben Seniorinnen und Senioren in Alterswohnungen, die noch relativ selbstständig sind. Pflege- oder Reinigungsdienste konnten bei Bedarf dazugebucht werden. Täglich stand im angeschlossenen Restaurant ein Menü bereit.
In den letzten Jahren waren jedoch nicht alle Wohnungen vermietet; zurzeit wohnen noch etwa 20 Personen dort, was laut Betreibergesellschaft unrentabel war. Der Vorstand der Gesellschaft äusserte sich gegenüber SRF nicht zu dem Thema.
Für die Bewohner ist dies eine schwierige Lage: Eine 93-jährige Bewohnerin gesteht, dass sie zwar von den finanziellen Schwierigkeiten wusste, aber nicht mit einem Konkurs gerechnet hatte. “Es war ein Erdbeben”, sagt sie. Sie lebt bereits seit 17 Jahren in der Residenz. Die Situation beschreibt sie als skurril: “Wir Alten sind die Konkursmasse, das ist verrückt.” Das Restaurant im benachbarten Gebäude war ihr Mittelpunkt für Mahlzeiten und soziale Kontakte.
Zurzeit können Bewohner in ein Seniorenzentrum in Küttigen zum Essen fahren. Ein Bus bringt sie dorthin, wenn gewünscht. Der Umzug im Tagesablauf stellt eine Veränderung dar, wie die 93-Jährige berichtet: “Im Alter hat man einen geregelten Tag.”
Obwohl das Essen in ihre Wohnungen geliefert werden kann, löst dies für sie nicht die Problematik der Isolation. Eine andere Bewohnerin, 94 Jahre alt, bestätigt ebenfalls, dass die Einsamkeit ein Problem darstellt: “Schade um das Restaurant; wir vermissen es, am Tag Käfeli zu trinken.” Der Aufenthaltsraum ist ebenfalls geschlossen.
Die plötzliche Änderung zwingt die Bewohner zur Neuorganisation ihrer Pflege- und Reinigungsdienste sowie der Verpflegung. Die Stadt Aarau hat neue Mietverträge ausgestellt, da sie Eigentümerin der Gebäude ist; das Zentrum wurde von einer Genossenschaft betrieben.
Der Stadtrat plant, das Restaurantgebäude zu vermieten und hofft auf eine Wiederbelebung des Restaurants und Aufenthaltsraums. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass an dieser guten Lage ein Mehrfamilienhaus gebaut wird.
Die Bewohner müssen Geduld beweisen und hoffen, dass bald Lösungen gefunden werden, um ihre Einsamkeit zu lindern.