In Washington D.C. zogen laut einer dpa-Reporterin am Morgen Zehntausende Demonstranten, darunter viele ältere Menschen, über die Memorial Bridge in Richtung Innenstadt. Medienberichten zufolge plant ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Gruppen landesweit bis zu 3000 Kundgebungen mit insgesamt rund neun Millionen Teilnehmern, was als eine der größten Protestbewegungen in der US-Geschichte gesehen wird – die Zahlen sind jedoch noch nicht unabhängig verifiziert. Bereits im vergangenen Jahr hatte es ähnliche Proteste gegeben, die Millionen Menschen auf die Straße brachten.
In Washington riefen die Demonstranten mit Sprechchören zu Wachsamkeit gegen «Faschisten im Weissen Haus» auf und zeigten eine Pappfigur von Trumps rechtem Vize-Stabschef Stephen Miller, versehen mit einem Namensschild «Adolf». Ein Teil der Proteste richtete sich auch international aus: Eine Demonstrantin betonte gegenüber der dpa die Botschaft an Deutschland, dass es in den USA Widerstand gegen die Trump-Regierung gebe, insbesondere im Zusammenhang mit dem Vorhaben, das Washingtoner Kulturhaus Kennedy Center vorübergehend zu schließen.
Als Höhepunkt der landesweiten Proteste gilt eine Großkundgebung in St. Paul, Minnesota, wo bis zu 100.000 Teilnehmer erwartet werden. Grund sind unter anderem umstrittene Einsatzmaßnahmen von Bundesbehörden im Umgang mit Migranten, die in der Region zu anhaltenden Protesten führten und bei denen zwei US-Bürger durch Schüsse von Beamten starben.
Zu den prominenten Teilnehmern zählen unter anderem Musiker wie Bruce Springsteen und Joan Baez sowie die Schauspielerin Jane Fonda. Auch der unabhängige Senator Bernie Sanders wird erwartet. Trotz beeindruckender Menschenmassen in Washington D.C., vergleichbar mit Protesten während Trumps erster Amtszeit, bleibt dessen Wiederwahl im Weissen Haus eine Herausforderung für die Demokraten.
Demonstrationen sind auch in zahlreichen weiteren Städten geplant oder bereits angelaufen. Laut Organisatoren melden sich viele Teilnehmer aus konservativ geprägten ländlichen Gebieten, nicht nur aus traditionellen Demokraten-Stützpunkten an. «Trump will tyrannisch herrschen, aber die Macht liegt beim Volk – nicht bei Möchtegern-Königen oder ihren milliardenschweren Gefolgsleuten», erklärte das Bündnis.
Das Weisse Haus kritisierte die Proteste und bezeichnete sie als Zusammentreffen einer kleinen Gruppe, unterstützt von linken Netzwerken, ohne breite gesellschaftliche Unterstützung. Auch außerhalb der USA gab es Solidaritätskundgebungen, etwa in deutschen Städten wie Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf.