Am britischen “Superwahltag” mit Lokalwahlen in England und Parlamentswahlen in Schottland sowie Wales deutet sich ein Desaster für die Regierungspartei Labour und Premierminister Keir Starmer an. Reform UK gilt als Hauptgewinnerin. Labour verzeichnet massive Verluste bei den britischen Lokal- und Regionalwahlen. Obwohl alle Resultate erst am Freitag vorliegen, deuten die ersten Ergebnisse auf einen desaströsen Ausgang für Labour hin. In England werden insgesamt 136 Gemeindeparlamente neu gewählt. Nach der Auszählung von 1153 von insgesamt 5036 Sitzen ist klar, dass Labour schon mehr als 200 Sitze verloren hat. Reform UK unter Nigel Farage zeigt sich stark und erzielt Erfolge vor allem mit Themen wie die Kontrolle der Einwanderung. Bis Freitagmorgen konnte sie über 350 Sitze dazugewinnen. Diese Ergebnisse sind besonders enttäuschend für Starmer, da Reform UK auch in traditionellen Labour-Hochburgen in Mittel- und Nordengland sowie Teilen Londons Siege feiert. Die Konservativen verlieren ihrerseits über 100 Sitze bis Freitagmorgen, während kleinere Parteien wie die Liberaldemokraten und Grünen zulegen. Dies unterstreicht den weiteren Verfall des britischen Zwei-Parteiensystems. Ein weiterer Trend zeigt sich in Schottland und Wales: Die nationalistische Partei Plaid Cymru liegt etwa gleichauf mit Reform UK oder leicht vorne, was die langjährige Vorherrschaft von Labour im walisischen Regionalparlament in Cardiff brechen könnte. In Schottland wird erwartet, dass die Scottish National Party (SNP) trotz eines kurzzeitigen Einbruchs bei den Unterhauswahlen 2024 weiterhin stärkste Kraft bleibt und sich für Unabhängigkeit einsetzt. Sollten die Prognosen stimmen, könnten zum ersten Mal in allen Landesteilen nationalistische Parteien an die Macht kommen: Plaid Cymru in Wales, SNP in Schottland, Reform UK in England und Sinn Fein in Nordirland. Dies könnte sezessionistischen Kräften Auftrieb geben, während Reform UK auch in Schottland und Wales Gewinne verzeichnet. Diese Regional- und Lokalwahlen dienen als Indikator für die nationalen Parlamentswahlen, die spätestens 2029 stattfinden werden. Premierminister Starmer könnte bereits jetzt innerparteilichem Druck ausgesetzt sein, sollte Labour signifikante Verluste erleiden. Seine Umfragewerte sind historisch niedrig; nur Liz Truss hatte noch schlechtere Werte. Zudem gibt es Forderungen nach seinem Rücktritt im Zusammenhang mit dem ehemaligen Botschafter in den USA, Peter Mandelson. Im Februar gelang Starmer ein Rettungsmanöver, indem er das Parteiaufbegehren gegen sich abwenden konnte. Doch nun könnte die Debatte über seinen Verbleib neu entfacht werden. Er zeigt sich kämpferisch: “Ich werde nicht davonlaufen und zulassen, dass das Land im Chaos versinkt”, betonte er am Freitagvormittag. Er räumte ein, Labour habe hart getroffen und es sei nichts zu beschönigen. Dennoch bekräftigte Starmer, an seinem Fünfjahresmandat festhalten zu wollen.