“Frauenprobleme”: Ein Buchtitel, der zunächst an Menstruationsbeschwerden oder Hitzewallungen denken lässt. Vielleicht auch daran, wie Mütter und Berufstätige jonglieren. Dieser Titel könnte abschreckend wirken.
Warum wird dieses Wort als abschreckend oder abwertend empfunden? Sind «Frauenprobleme» keine echten Probleme? Sie betreffen doch die Hälfte der Gesellschaft. Und wenn diese strauchelt, gerät letztlich die gesamte Gesellschaft ins Wanken.
Bereits der Titel des von Lina Muzur herausgegebenen Buchs regt zum Nachdenken an. Muzur ist Leiterin des Hanser-Berlin-Verlags und hat 27 Freundinnen eine einfache Frage gestellt: «Wie geht es Dir?» Die Frauen wurden gebeten, per Sprachnachricht zu antworten. Herausgekommen ist das Buch «Frauenprobleme», ein Porträt weiblicher Lebensrealitäten.
Die Umsetzung von Sprachnachrichten in Buchform ist eine formale Innovation und gelungen. Die Texte sind frei von Fehlern wie «Ääs» oder «Erms». Sie wurden literarisch aufbereitet, wirken aber authentisch mündlich. Kurz: Sie sind ein Vergnügen zu lesen.
Die berichtenden Frauen im Alter zwischen 40 und 55 haben gemeinsam, dass sie mit Lina Muzur befreundet sind. Zudem sind sie analoger Zeit aufgewachsen: Keine Social Media in der Pubertät, stattdessen Schaukeln statt schwarzer Trampoline.
Wie geht es diesen mittleren Frauen? Ein deutliches Thema ist die Erschöpfung. Mütter ringen mit der Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren. Manche fragen sich, ob das Modell ihrer eigenen Hausfrauen-Mütter nicht doch besser wäre. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entpuppt sich als schwieriger als angenommen.
Alle Frauen befinden sich im Alter, in dem ihre Eltern oft geistig und körperlich abbauen. Einige fühlen sich zwischen betreuungsbedürftigen Kindern und pflegebedürftigen Eltern eingeengt. Der Druck ist enorm.
Gleichzeitig spüren die Frauen die Wechseljahre, emotionale Tiefs – und hin und wieder auch Hochs.
Ein weiteres Thema: politische Instabilität, eine prekäre Weltlage, das Erstarken der Rechten und die Gefahr des Verlusts lang erkämpfter Gleichstellungsrechte.
Für jene, die sich unter «Mental Load» nichts vorstellen konnten, bietet das Buch einen Einblick. Die Vielstimmigkeit ermöglicht Identifikation. Es zeigt: «Frauenprobleme» sind nicht nur individuelle Sorgen, sondern strukturelle Herausforderungen.
Lina Muzur (Hg.): «Frauenprobleme. 33 neue Nachrichten». Hanser Berlin, 2026. Das zugehörige Hörbuch ist bei Argon erschienen.
Radio SRF 1, 21.4.2026, 15:15 Uhr