Am kommenden Samstag stehen die Luzerner Behörden vor der schwierigen Aufgabe, zwei politisch unterschiedliche Kundgebungen zu koordinieren und ein Aufeinandertreffen der Teilnehmenden zu verhindern. Die Gruppierung «Mass-Voll» plant eine Demonstration gegen die EU, während gleichzeitig die «Allianz Luzern Nazifrei», unterstützt von Parteien wie SP, Grüne und Juso, zur Gegenkundgebung aufruft (zentralplus berichtete). Mit einem Abo erfahren Leserinnen und Leser mehr über das Ausmaß der Kundgebungen in Luzern, die friedliche Durchführung dieser Veranstaltungen sowie Entwicklungen, die im Kanton für Sorgen sorgen. Zudem wird beleuchtet, welche Sicherheitsvorkehrungen am Samstag getroffen werden.
In den vergangenen fünf Jahren bewilligte die Stadt jährlich zahlreiche Demonstrationen, mit einer durchschnittlichen Anzahl von 65 bis 87 pro Jahr, wobei die höchste Zahl im Jahr 2021 mit 87 Kundgebungen erreicht wurde. Im Jahr 2022 waren es 69, gefolgt von 78 im Jahr 2023, 65 im Jahr 2024 und zuletzt 67 im Jahr 2025. Die Stadt gibt an, dass die Zahlen nicht weiter aufschlüsselbar sind, da keine detaillierten Statistiken über abgelehnte oder zurückgezogene Gesuche vorliegen und auch Informationen zu den Organisatorinnen und Organisatoren fehlen.
Obwohl ein Anspruch auf Kundgebungen in Luzern besteht, ist dieser mit Einschränkungen verbunden. Die Stadt betont den «bedingten Rechtsanspruch», der aus der Meinungs- und Versammlungsfreiheit resultiert, jedoch nicht notwendigerweise jede Veranstaltung erlaubt.
Die beiden Samstagsveranstaltungen wurden nur unter der Auflage bewilligt, dass sie räumlich getrennt stattfinden. «Mass-Voll» startet um 14 Uhr beim Kurplatz in der Nähe der Hofkirche mit einer Laufkundgebung, während die «Allianz Luzern Nazifrei» ihren Platz auf dem Europaplatz einnimmt und beide Gruppen zu friedlichen Demonstrationen aufrufen mussten. Die Polizei verweigert Angaben zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen.
Trotz der stabilen Anzahl von Kundgebungen sieht die Stadt eine anspruchsvollere Sicherheitslage, insbesondere aufgrund einer Zunahme der Gewaltbereitschaft gegenüber Einsatzkräften. Der Regierungsrat berichtete, dass Krawalle im Kanton Luzern selten sind, die Polizei jedoch verstärkt sichtbar agiere und Strategien wie Dialog, Deeskalation und Durchgreifen anwende.
Radikalisierungsprozesse, insbesondere im digitalen Raum, bereiten dem Kanton ebenfalls Sorgen. Extremistische Gruppen nutzen Online-Plattformen zur Verbreitung von Hassrede und der Radikalisierung junger Menschen. Der Samstag bleibt dennoch angespannt, da die Sprache rund um die Kundgebungen bereits eskaliert ist.
«Mass-Voll»-Präsident Nicolas Rimoldi sieht seine Demonstration als friedliche Grundrechtsveranstaltung und macht SP und Grüne für mögliche Zwischenfälle verantwortlich. Die Juso Luzern spricht hingegen von einem «rechtsextremen Aufmarsch». Die Polizei steht vor der Herausforderung, die Kundgebungen zu trennen und eine rhetorisch bereits eskalierte Konfrontation zu kontrollieren.