Ein ehemaliger Staatsanwalt und jetziger Anwalt warnt vor der systematischen Unterwanderung von Justiz- und Polizeibehörden durch die Mafia. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hat kürzlich bekanntgegeben, dass ein Angestellter des Bundessicherheitsdienstes vertrauliche Informationen an eine im Drogenhandel aktive Mafiazelle verkauft haben soll. Für Rosa Maria Cappa, die frühere Mafia-Jägerin und heutige Rechtsanwältin in Lugano, ist dies keine Überraschung. Sie hebt hervor, dass Mafiagruppen seit langem Schweizer Institutionen infiltrieren.
Als ehemalige Bundesstaatsanwältin mit Fokus auf Mafiafälle arbeitete Cappa eng mit italienischen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Seit ihrem Wechsel in die Privatwirtschaft im Jahr 2015 setzt sie sich für eine intensivere Bekämpfung der Mafia in der Schweiz ein, fordert stärkere Maßnahmen und rechtliche Mittel.
Im Interview mit SRF News betont Cappa, dass Hinweise auf Mafiakontakte innerhalb polizeilicher Kreise bereits länger bestanden. Sie verweist auf den Hack des verschlüsselten Chats Sky ECC durch Europol im Jahr 2021, bei dem Schweizer Daten auf Interaktionen mit der Justiz hindeuteten. Solche Verbindungen sind nicht neu; beispielsweise wurde ein Polizist in Wallis von Drogenhändlern bestochen.
Fedpol-Informationen sind für Mafiagruppen besonders wertvoll, da sie internationale Ermittlungskooperationen und -strategien aufdecken. Cappa erklärt, dass Mafiosi versuchen, solche Informationen abzufangen, um polizeiliche Maßnahmen vorauszusehen.
Um «Maulwürfe» zu rekrutieren, identifiziert die Mafia anfällige Personen und nutzt deren Schwächen aus. Cappa nennt Spielschulden als Beispiel für potenzielle Verletzlichkeiten.
Die unterschätzte Bedrohung der Mafia könnte dazu führen, dass Polizisten glauben, alleine könnten sie keinen Unterschied machen und die Organisation würde ohnehin Wege finden, ihre Ziele zu erreichen. Cappa vermutet weitere unentdeckte «Maulwürfe» in Schweizer Sicherheitsbehörden.
Um sich vor weiterer Infiltration zu schützen, plädiert sie für bessere Ausbildung und Sensibilisierung innerhalb der Polizei sowie internationale Zusammenarbeit. Auch die Einbindung von Polizisten mit Migrationshintergrund sieht Cappa als potenziellen Vorteil im Kampf gegen die Mafia.
Das Interview führte Dominik Meier, 29.4.2026, 21:50 Uhr.