In einem Interview mit der “NZZ am Sonntag” erklärte Marc Walder, Chef des Medienkonzerns Ringier, dass in der Schweiz nur noch drei große Medienmarken überleben werden: «Blick», «20 Minuten» und NZZ. Lokalzeitungen sehe er im digitalen Zeitalter dem Untergang geweiht. Bruno Hug, ein renommierter Verleger von Kleinverlagen in der Schweiz, unterstützt diese Ansicht. Als Leiter des Portal24-Verbunds mit über zwanzig lokalen Online-Portalen vornehmlich aus der Ostschweiz, kennt er die Herausforderungen. Laut Hug lassen sich unabhängige digitale Lokal- und Regionalmedien kaum finanzieren. Online-Werbung generiert nur noch etwa fünf Prozent der Einnahmen im Vergleich zum Printgeschäft. Auch Abomodelle haben auf lokaler Ebene keine breite Akzeptanz, weshalb sie sich nicht durchsetzen können. Lediglich in größeren und meist linksgerichteten Städten wie Zürich, Bern oder Basel überleben ideologisch unterstützte linke Lokalmedien. In kleineren Städten und ländlichen Gebieten funktioniert dies nicht. Bis 2017 leitete Hug die wöchentliche Gratiszeitung “Obersee-Nachrichten” mit einer Auflage von rund 80.000 Exemplaren, welche einen Umsatz von etwa vier Millionen Franken erwirtschaftete. Der größte Teil der Einnahmen kam von lokalen und nationalen Anzeigenkunden. Heute erzielt sein Online-Portal Linth24.ch, trotz über 200.000 monatlichen Lesern und zwischen 1,2 bis 1,5 Millionen Seitenaufrufen, nur rund ein Zehntel des früheren Umsatzes – etwa 300.000 Franken. Auch die CH-Media-Zeitungen wie “Appenzeller Zeitung”, “Toggenburger Tagblatt” und “Wiler Zeitung” haben ähnliche Probleme. Mit abonnierten Auflagen von rund 6.000 Exemplaren würde eine Umstellung auf rein digitale Angebote zu erheblichen Abonnentenverlusten führen, da viele nicht bereit sind, für Online-Inhalte denselben Betrag auszugeben. Große Verlage haben die lokale Berichterstattung bereits stark reduziert. Tamedia hat beispielsweise die Lokalredaktion des “Landboten” mit der von Zürichs “Tages-Anzeiger” zusammengelegt, was Winterthur praktisch keine eigene Redaktion mehr lässt. CH Media scheiterte mit dem Versuch, Gratis-Lokaljournalismus digital zu retten, als alle Today-Portale geschlossen wurden. Trotz dieser Herausforderungen erweitert Hug seinen Verbund stetig auf der Basis seiner Leidenschaft für Journalismus und finanzieller Möglichkeiten aus einer langen unternehmerischen Laufbahn. Er sieht es als essenziell an, dass in einer freien Gesellschaft freie Medien existieren. Christoph Blochers Swiss Regiomedia AG mit 24 Gratiszeitungen steht vor denselben Problemen wie andere Lokalmedien. CH-Media-Chefredaktor Patrik Müller widersprach Marc Walder und betonte die Zukunftsaussichten des Lokaljournalismus, selbst in Zeiten von Künstlicher Intelligenz. Hug ist der Ansicht, dass Gemeinden und Kantone Verantwortung für Medienvielfalt übernehmen sollten. Viele entscheiden sich jedoch dafür, Informationen über soziale Netzwerke oder eigene Blättchen zu verbreiten, was die Kontrolle über die Berichterstattung erleichtert. Eine sinnvolle Medienförderung könnte nach dem Beispiel Liechtensteins aussehen. Dort erhielt eine Unternehmerin, Teil des Portal24-Verbunds, jährlich 130.000 Franken für ihre Arbeit an einem lokalen Medium. Solche Förderungen könnten effektiver sein als die großteils an große Verlage gerichteten Bundessubventionen. Kritisch betrachtet Hug den Lokaljournalismus oft als nahe der Behörden stehend und bezweifelt dessen demokratiebezogene Relevanz. Trotzdem sieht er die Notwendigkeit seiner Plattformen für kritische Berichterstattung, wie das Beispiel Linth24 zeigt, welches zu einem Wechsel im Stadtpräsidium von Rapperswil-Jona führte.