Laut dem CEO von Ringier, Marc Walder, werden in der Schweiz lediglich die «NZZ», der «Blick» und «20 Minuten» wirtschaftlich erfolgreich im Digitalbereich bleiben. Diese Ansicht vertrat er gegenüber der «NZZ am Sonntag». Auch srf.ch sei zukunftsfähig, so Walder, vor allem aufgrund staatlicher Subventionen. Er ist überzeugt davon, dass Künstliche Intelligenz die Medienlandschaft grundlegend umgestalten wird.
Walder betonte, ein realistischer und pragmatischer Blick auf die Branche sei entscheidend für strategische Entscheidungen. Nur zwei digitale Modelle seien nachhaltig: entweder eine breite Reichweite wie bei «20 Minuten» und dem «Blick», oder eine hochwertige Nischenpositionierung, wie es nzz.ch darstelle.
Auf die Frage, ob dies bedeutet, dass die Medienbranche einen ähnlichen Weg einschlagen wird wie andere Branchen – beispielsweise Ikea oder Ligne Roset auf der einen und McDonald’s oder Sterneküche auf der anderen Seite – antwortete Walder: «Masse oder Spitze. Korrekt.»
Patrik Müller, Chefredaktor der CH-Media-Zeitungen, widersprach dieser Ansicht in einem Social-Media-Post. Er argumentierte, solche Untergangsprophezeiungen habe man schon vor 15 Jahren hören können, und sie seien nie eingetreten. Walder übersähe bei seiner pessimistischen Bewertung der Regionalmedien entscheidende Aspekte.
Müller betonte, dass einige Zeitungen, wie die von CH Media, mittlerweile in der Lage seien, den Rückgang im Printbereich durch digitale Abonnements auszugleichen. Zudem sei die Rolle regionaler Titel für die Demokratie auf Kantons- und Gemeindeebene in Walders Interview nicht berücksichtigt worden. Eine direkte Demokratie ohne umfassenden Journalismus, der alle staatlichen Ebenen abdeckt, sei unvorstellbar. Langfristig werde es daher politische Unterstützung für unabhängigen Journalismus geben.
Walder erklärte weiter, dass Ringier in allen 15 Ländern seiner Tätigkeit herausfinden wolle, wie der Newsroom der Zukunft gestaltet sein solle. Künstliche Intelligenz werde den Arbeitsablauf grundlegend verändern, doch für das Verständnis von Politik, Gesellschaft und Sport sei qualitativer Journalismus nach wie vor unerlässlich. «Und dafür braucht es intelligente Menschen, die den Newsflow kuratieren», fügte Walder hinzu.
Er kritisierte zudem, dass das Internet mit sogenanntem AI-Slop oder AI-Trash überflutet werde. Fast die Hälfte der Inhalte auf großen Social-Media-Plattformen sei mittlerweile durch KI generiert. «Wenn ich abends meinen Instagram-Feed durchscrollen will, kann ich oft nicht mehr unterscheiden, ob das Video echt ist oder nicht», beklagte Walder. Dies sei vor allem schädlich für die Plattformen, da es zur Erschöpfung der Nutzer führe. Doch es biete auch eine Chance für die Medienindustrie: «Vielleicht ist dies gar die letzte Chance für guten Journalismus», resümierte Walder.