Am Samstag kam es an der Zitadelle Laferrière in Milot, einem Ort im Norden Haitis, zu einer verheerenden Massenpanik. Wie die Zeitung «Le Nouvelliste» berichtet, waren ungewöhnlich viele Besucher anwesend, da die Festung zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.
Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben, wobei der Bürgermeister von Milot laut Medienberichten angab, dass die Mehrheit durch Erstickung starb. Unter den Opfern befanden sich viele Jugendliche und Kinder, wie das Blatt weiter meldete. Die Panik brach aus, als starker Regen einsetzte und die dicht gedrängte Menge in Bewegung geriet, wobei zahlreiche Menschen niedergetrampelt wurden, insbesondere an den engen Zugängen.
Der Andrang wurde durch ein über soziale Medien beworbenes Treffen junger Menschen ausgelöst. Der Event wurde von einem Influencer über die Plattform TikTok verbreitet, der Transport, Getränke und Unterhaltung versprach. Viele Teilnehmer strömten bereits in den frühen Morgenstunden zur Zitadelle.
Der Influencer wies jegliche Verantwortung zurück: «Ich habe nichts mit dem zu tun, was passiert ist», wurde er von «AyiboPost» zitiert. Er sei sich des Unglücks erst bewusst geworden, als er bereits auf dem Rückweg war.
Medienberichten zufolge verschärfte sich die Situation, weil zeitweise Menschen gleichzeitig in die Anlage hinein- und hinausdrängten. Nur ein Zugangstor war geöffnet, was zu starkem Gedränge führte und schließlich Rangeleien sowie eine Massenpanik verursachte.
In den sozialen Medien verbreitete Videos zeigen dicht gedrängte Menschen in engen, tunnelartigen Gängen der Festung. Zahlreiche junge Besucher sind zu sehen, die sich nur langsam vorwärts bewegen können.
Die Regierung unter Ministerpräsident Alix Didier Fils-Aimé äusserte sich «tief bestürzt» über den «tragischen Vorfall». Alle zuständigen Behörden seien mobilisiert und befänden sich in höchster Alarmbereitschaft, um Betroffenen und ihren Angehörigen unverzüglich Hilfe zu leisten. Die Bevölkerung wurde während der Ermittlungen zur Ruhe aufgerufen.
Die Zitadelle Laferrière, errichtet von ehemaligen Sklaven, ist ein Symbol des Freiheitskampfes gegen die französische Kolonialherrschaft und zum Weltkulturerbe der Unesco gehörig.