Im Zeitraum von Dezember 2016 bis November 2022 soll eine 33-jährige Ungarin mindestens 14 Frauen aus ihrem Heimatland nach Zürich gebracht haben, um sie zur Prostitution zu zwingen. Dies geht aus der Anklageschrift hervor. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Frau des gewerbsmässigen Menschenhandels mit dem Ziel sexueller Ausbeutung sowie der Förderung der Prostitution.
Die Beschuldigte habe sich gezielt an Frauen aus sozial und wirtschaftlich prekären Situationen herangemacht. Oft waren diese obdachlos, arm oder lebten unter gewalttätigen Partnern. Sie stellte sich als Helferin, Mutterfigur oder beste Freundin dar und versprach ihnen ein besseres Leben im Ausland, das durch finanzielle Vorabzahlungen ermöglicht werden sollte.
In Zürich wurden die Frauen in Hotels im Langstrassenquartier untergebracht. Dort waren sie rund um die Uhr überwacht. Sie mussten häufig bereits sehr früh am Morgen arbeiten und durften nur wenige Stunden schlafen. Ihnen wurde ein Mindestverdienst zwischen 1000 und 2150 Franken vorgeschrieben, den sie größtenteils abgeben mussten.
Die Anklage beinhaltet zahlreiche Fälle von physischer und psychischer Gewalt. Die Frauen wurden geschlagen oder bedroht, wenn die Umsatzziele nicht erreicht wurden. Unbehandelt blieb auch der ungeschützte Geschlechtsverkehr, was zu vielen ungewollten Schwangerschaften, Abtreibungen und Krankheiten führte. Krankheitshalber durfte oft nicht aufgehört werden.
Der Jahresbericht der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ), veröffentlicht am 11. Mai 2026, weist darauf hin, dass die FIZ im letzten Jahr 228 Opfer von Menschenhandel betreute, darunter 65 in ihren Schutzunterkünften. Zusätzlich wurden 444 Migrantinnen unterstützt, einschließlich 140 Betroffener häuslicher Gewalt. Die Zahl der Betreuten lag um 20 Personen höher als im Vorjahr, wobei die Dunkelziffer weitaus größer sein dürfte.
Die Fachstelle betont: «Es braucht mehr Schutz, Unterstützung und Sensibilisierung», da die Zahlen hoch bleiben. Der gemeinnützige Verein FIZ arbeitet im Auftrag von Bund und Kantonen.
Der Prozess gegen die Beschuldigte läuft weiter. Sie befindet sich seit dem 22. November 2022 in Untersuchungshaft. Ihr Anwalt forderte die Einstellung des Verfahrens aufgrund unverwertbarer Beweise, was jedoch vom Richter abgelehnt wurde.
Quelle: Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 11.5.2026, 12:03 Uhr; sda/ante; stat;brus