Laut neuesten Angaben sind in Mexiko über 130.000 Menschen als vermisst gemeldet, viele davon Opfer von Gewaltverbrechen. Familien suchen häufig jahrelang selbst nach ihren Angehörigen. Eine Regierungsberichterstattung auf UNO-Drängen brachte keine neuen Erkenntnisse. Flurina Dünki, eine aus der Schweiz stammende Journalistin, die in Mexiko-Stadt berichtet, kritisiert Präsidentin Claudia Sheinbaum für ihre Herangehensweise an das Problem.
Dünki hat sich auf Themen wie Kinder- und Drogengewalt sowie soziale Ungleichheit spezialisiert. Sie wechselte 2015 in den Journalismus und berichtet seit 2022 aus Mexiko.
Der Bericht der mexikanischen Regierung zeigt, dass von den mehr als 130.000 Vermissten Lebenszeichen bei etwa 40.000 gefunden wurden. Dennoch wirft Dünki Sheinbaum vor, die Zahlen zu relativieren und das Problem kleinzureden. Viele Familien müssen selbst nach ihren Angehörigen suchen, da sie der Polizei erst Hinweise liefern müssen, um Ermittlungen in Gang zu setzen.
Präsidentin Sheinbaum verspricht zwar staatliche Unterstützung bei der Suche, ohne jedoch die Vernachlässigung von Pflichten seitens des Staates anzusprechen. Ihrer Auffassung nach sei das organisierte Verbrechen hauptsächlich verantwortlich für die Vermisstenfälle, was den staatlichen Einfluss minimiert.
Die Regierung scheint nicht wirklich an Aufklärung interessiert zu sein. Der defensive Umgang mit Journalistenfragen stützt diesen Eindruck. Die Unfähigkeit, aufseiten der Regierung Fortschritte bei der Suche nach Vermissten zu erzielen, setzt sich seit den Versprechen des früheren Präsidenten López Obrador fort.
Ein Hoffnungsschimmer bleibt die UNO: Sie verdächtigt Mexiko, das systematische Verschwindenlassen von Personen zu betreiben. Sheinbaum könnte gezwungen sein, Maßnahmen zu ergreifen, um einer möglichen Generalversammlung durch den UNO-Ausschuss aus dem Weg zu gehen.
Das Interview führte Nicolas Malzacher.
SRF 4 News aktuell, 1. April 2026, 6:25 Uhr