Dreimal hintereinander verpasste die italienische Fußballnationalmannschaft nun die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Eine jüngere Generation von Italienern kennt nicht mehr, was “Notti Magiche” sind – magische Nächte des Triumphes.
Filippo, ein Kioskbesitzer in der Römischen Piazza della Minerva, ist enttäuscht über das Scheitern. Für ihn war es selbstverständlich, dass Italien sich gegen schwächere Gegner durchsetzt und dann bei Weltmeisterschaften glänzte. Mit vier WM-Titeln gehört Italien zu den erfolgreichsten Nationen.
Filippo hat sich längst vom Fußball abgewandt und findet Trost in anderen Sportarten wie Tennis, Autorennen oder Skisport. Wenn Jannik Sinner, der südtiroler Tennisspieler, nachts spielt, schaut er morgens mit strahlenden Augen aus seinem Kiosk. Er bewundert die Eleganz Sinters und freut sich über seine Erfolge.
Heute stehen Sportler wie Jannik Sinner, Federica Brignone und der junge Formel-1-Fahrer Kimi Antonelli im Rampenlicht. Die Fußballer hingegen werden als “fuori dal mondo” betrachtet. Die Zeitung “Repubblica” kommentiert das Versagen: Es sei keine Ausnahme mehr, sondern eine Gewohnheit.
Die “Gazzetta dello Sport” titelte am Mittwoch mit “Tutti a casa”, da Bosnien-Herzegowina Italien nach Hause geschickt hatte. Filippo verkauft kaum Zeitungen über das Thema – die Niederlage findet wenig Interesse.
Emotionen gab es trotzdem bei Gennaro Gattuso, dem Trainer, und Leonardo Spinazzola, einem der wenigen Spieler, der sich äußerte: “Es tut mir leid für die Kinder, die uns zugeschaut haben.”
Die Stimmung in Italien ist eine Mischung aus Gleichgültigkeit und Wut. Die Kritik richtet sich weniger gegen die Spieler als gegen die Funktionäre. Gabriele Gravina, der Verbandspräsident, steht unter Druck.
Italien leidet auch an einem Generationenproblem: Junge Menschen kennen keine “Notti Magiche” mehr. Der Fußball findet nicht mehr auf den Straßen statt; professionelle Sportarten dominieren.
Massimo Grammelini schreibt jedoch: Trotz Erfolgen in anderen Disziplinen bleibt der Fußball ein unersetzliches Integrationsphänomen in Italien. Eine WM-Teilnahme wäre wie die Luft zum Atmen.
Filippo würde sich freuen, sollte es bald wieder eine Qualifikation für eine große Endrunde geben. Vielleicht 2028 oder 2030. Und dann könnte auch die “Gazzetta” wieder Stapelweise in seinem Kiosk verkauft werden – wenn gedruckte Zeitungen noch existieren.