Seit der Corona-Pandemie hat eine Bernerin namens Nadine Aegerter ein Laufband unter ihrem Homeoffice-Pult installiert. Ihr Rekord liegt bei 50’000 Schritten an einem Tag, was sie während ihrer Arbeitszeit erreicht. Der Bund sieht diesen Trend kritisch.
Im Durchschnitt sitzen Schweizer Bürger fünfeinhalb Stunden pro Tag, wobei ein Fünftel sogar mehr als acht und eine halbe Stunde täglich sitzt. Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen dieser Sitzdauer.
Nadine Aegerter hingegen meistert ihr Schrittziel bereits während der Arbeit, dank des Laufbands unter ihrem Stehpult zu Hause – ein Relikt aus ihrer Homeoffice-Zeit, das sie bis heute nutzt. “Mein alter Job war sitzend. Nach wenigen Monaten kamen Rückenschmerzen”, erinnert sich die 28-jährige Sachbearbeiterin. Ein Stehpult alleine reichte nicht; Laufen schien der natürlichere Weg.
Anfänglich gab es kaum Walking Pads für Büros, doch heute hat Digitec Galaxus einen Verkaufsboom gemeldet: Die Nachfrage ist seit 2022 um das Zwölffache gestiegen. Nadine benötigt täglich vier bis sechs Stunden auf dem Laufband und legt alle zwei Stunden eine Pause ein – nicht aus Notwendigkeit, sondern um Überhitzung zu vermeiden.
Durchschnittlich erreicht sie etwa 20’000 Schritte am Tag, wobei ihr persönlicher Rekord bei 50’000 Schritten liegt. Bei Telefonaten oder Besprechungen bewegt sie sich im Schritttempo, um nicht auffällig zu werden, und läuft schneller bei der reinen Sachbearbeitung.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) äußert jedoch Skepsis gegenüber Büro-Laufbändern. Fabian Maienfisch vom Seco erklärt, dass wissenschaftliche Studien zeigen können, dass Geharbeit das Schreibtempo verlangsamt und Tippfehler erhöht. Laufband-Fan Nadine hält diese Ergebnisse nicht für auf sich selbst anwendbar; sie tippt auch im Gehen mit dem Handy kaum Fehler.
Das Seco warnt vor weiteren Risiken wie Lärm, Sturzgefahr oder Platzbedarf und betont, dass Laufbänder keinen klaren Mehrwert gegenüber Sitz-Steh-Arbeitsplätzen bieten. Maienfisch rät zu regelmäßigen Positionswechseln und Bewegungspausen, um gesundheitliche Risiken durch ständiges Sitzen oder Stehen zu minimieren.
Obwohl höhenverstellbare Arbeitsplätze in vielen Unternehmen Standard sind, haben Laufbänder dort keinen Einzug gefunden. Im Homeoffice bleibt die Nutzung solcher Geräte Privatsache ohne Zuschüsse. Nadine Aegerter findet es schade, aber realistisch: Ein allgemeiner Einsatz von Büro-Laufbändern könnte zu Lärm und Ablenkung führen. Sie schlägt stattdessen vor, Laufbänder in speziellen Räumen für interessierte Mitarbeitende bereitzustellen.