Der Konflikt in Nahost hält an und eine Lösung scheint noch nicht greifbar. Während die USA und Israel auf schnelle militärische Erfolge setzen, verfolgt der Iran eine Strategie eines langwierigen Zermürbungskrieges, die ihm möglicherweise strategische Vorteile verschaffen könnte.
Trotz zahlreicher taktischer Erfolge wie der Zerstörung von iranischen Raketenpositionen mussten die USA und Israel ihre strategischen Ziele nach unten korrigieren. “Zuvor war ein Regimewechsel das Hauptziel”, erklärt Dalia Dassa Kaye, eine Expertin für Nahost und Sicherheit an der Berkeley Universität. Obwohl es zu Angriffen kam, die Führungsmitglieder der Revolutionsgarden und den obersten Führer Ali Chamenei töteten, blieb ein Regimezusammenbruch aus, da Führungsposten schnell neu besetzt wurden.
Die USA konzentrieren sich nun darauf, die Seestraße von Hormus wieder passierbar zu machen – eine Handelsroute, die vor dem Krieg unbehindert war. Dies zeigt laut Kaye eine strategische Neuausrichtung: “Ziele, die früher nicht diskutiert wurden, müssen nun erreicht werden.”
Der Iran habe sich seit dem letzten Jahr auf einen langen Konflikt eingestellt, so Hamidreza Azizi von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) in Deutschland. Der “Zwölftagekrieg” im Vorjahr war dabei ein entscheidender Weckruf.
Die iranische Führung hat ihre Befehlsstrukturen dezentralisiert, sodass die Revolutionsgarden eigenständiger agieren können. Anstatt große Raketen- und Drohnenangriffe wie im letzten Jahr auf Israel abzufeuern, konzentrierte sich der Iran darauf, US-Frühwarn- und Radarsysteme auszuschalten.
Hierbei könnte der Iran von Geheimdienstinformationen aus Russland und China profitiert haben. Eine weitere Erkenntnis ist, dass Waffenruhen nicht verlässlich sind; sie dienen den USA und Israel nur zur Zeitgewinnung, so Azizi. Teheran strebt nach einer grundlegenden Änderung der strategischen Kräfteverhältnisse in der Region.
Der Kriegszustand und die Kontrolle über die Seestraße von Hormus werden genutzt, um Sanktionserlasse und die Beibehaltung des Atom- und Raketenprogramms zu erzwingen. Ein Kriegsende ohne diese Erfolge würde im Iran als Niederlage empfunden.
Der “Zwölftagekrieg” offenbarte Schwächen in der iranischen Verteidigung und führte zu einer Neuausrichtung ihrer Militärdoktrin. Diese Erkenntnisse beeinflussen Irans aktuelles militärisches Vorgehen.
Der Krieg hat die Hardliner im Iran gestärkt, was Resilienz bringt, aber auch politische Zugeständnisse erschwert. Die iranische Strategie basiert auf internem Druck, wirtschaftlichem Druck im Golf und militärischem Druck auf Israel und die USA.
Der Vorteil Irans liegt darin, dass sie keinen schnellen Sieg anstreben müssen; es genügt, den Gegner in Unsicherheit und hohen Kosten zu halten.