Nach dem leeren Winter sind die deutschen Gasspeicher dringend wieder aufzufüllen. Erdgas ist jedoch knapp und teuer, was die Bundesregierung veranlasst, über eine strategische Gasreserve nachzudenken – obwohl es bessere Lösungen gäbe.
Kurz vor dem Winter sah sich Deutschland mit einem Füllstand von nur 77 Prozent seiner Gasspeicher konfrontiert. Die Temperaturen sanken rapide, die Heizungen wurden hochgedreht und die Speicher entleerten sich schnell. Obwohl der Frühling eine Versorgungskrise verhinderte, bleibt Unsicherheit bestehen: Bis Anfang November müssen die Speicher laut gesetzlichen Vorschriften von 2022 auf 80 Prozent gefüllt sein.
Doch das Auffüllen könnte sich als schwierig erweisen. Der Iran-Konflikt hat die weltweite Gasverfügbarkeit verringert, da die Straße von Hormuz fast gesperrt ist und Katar, ein großer LNG-Produzent, 17 Prozent seiner Kapazitäten verloren hat. Am europäischen Gasmakts in den Niederlanden stieg der Preis pro Megawattstunde auf rund 50 Euro – das Doppelte des Preises vor dem Konflikt.
Eine schnelle Rückkehr zu alten Preisen ist unwahrscheinlich, da die Wiederherstellung Katarer Anlagen drei bis fünf Jahre dauern wird. Dies führt zu einem Bieterwettbewerb zwischen Asien und Europa um Gas aus den USA, was die Preise weiter anheizt.
Die gesetzlichen Füllstandsvorgaben erschweren das Auffüllen der Speicher, da sie spekulative Nachfrage steigern und Anreize für Händler reduzieren. Die kriegsbedingte Verknappung verschärft diese Probleme weiter. Aktuell sind die Preise im Sommer niedriger als im Winter, doch decken sie nicht die Lagerkosten.
Im Wirtschaftsministerium zeigt man sich gelassen: 65 Prozent der Speicherkapazitäten seien gebucht – mehr als im Vorjahr. Eine staatliche Intervention wird für unnötig gehalten. Doch Experten wie Sebastian Heinermann von Ines warnen, dass Buchungen keine Garantie für tatsächliches Auffüllen sind.
Sollte der Markt sich nicht stabilisieren, könnte die Regierung angehalten werden, über THE große Mengen Gas zu kaufen – so wie nach dem Überfall auf die Ukraine. Dies wäre kostspielig und spekulativ.
Heinermann schlägt vor, die Befüllung durch Ausschreibung privater Händler zu regeln. Im Ministerium wird jedoch an einer Reform der Füllstandsvorgaben für 2027 gearbeitet, um ein zusätzliches Instrument gegen exogene Schocks einzuführen – etwa eine staatliche Gasreserve.
Zugleich stellt die EU-Methan-Verordnung ab nächstem Jahr Importeure vor Herausforderungen. Katar und die USA lehnen Berichtspflichten ab, was Deutschland zwingt, entweder Lockerungen zu erwägen oder auf Importe zu verzichten.
Fritz Vahrenholt sieht eine Lösung darin, heimische Gasreserven durch Fracking zu erschließen. Mit bis zu 2,3 Billionen Kubikmetern könne Deutschland langfristig versorgt werden – ohne Risiko für das Trinkwasser. Dies würde die Abhängigkeit von Importgas verringern und die Wirtschaft entlasten.
Grünes Licht für Fracking könnte einen energiepolitischen Befreiungsschlag bedeuten, der Deutschland unabhängiger macht.