NATO-Generalsekretär Mark Rutte scheint nicht umhin zu können, US-Präsident Donald Trump zu loben. Bei der Vorstellung des Jahresberichts des Militärbündnisses sagte er kürzlich: «Ohne den US-Präsidenten hätten die europäischen NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben niemals so stark erhöht.» Rutte hat Trump sogar als ‘Daddy’ bezeichnet, eine Figur, die zwar fordernd, aber letztlich wohlwollend ist. Diese ‘Daddy-Strategie’ soll zumindest versuchen, die USA an der Seite des westlichen Bündnisses zu halten – und das gelang Rutte bisher. Im Iran-Krieg jedoch erweist sich dieses Unterfangen als nahezu aussichtslos. Trumps Feindseligkeit gegenüber der NATO, die er als «Papiertiger» abtut, ist zur Obsession geworden. Fast täglich kritisiert er das Bündnis: «Die USA helfen der NATO, doch die NATO hilft den USA nicht.» Dass Afghanistan und der Kampf gegen al-Qaida sowie die Taliban das einzige Mal waren, bei dem auf Wunsch Washingtons der Bündnisfall ausgerufen wurde und die Europäer den Amerikanern beistanden, wird von Trump ignoriert. Stattdessen ist er empört darüber, dass sich die übrigen 31 NATO-Mitglieder nicht direkt am amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran beteiligen. Trump scheint rachsüchtig und wird das seinen Partnern kaum verzeihen. Es deutet sich sogar an, dass die USA von Europa finanzierte Rüstungsgüter für die Ukraine umleiten könnten, um sie im Iran-Konflikt einzusetzen, was das Überleben der Ukraine weiter gefährden würde. Trotzdem will NATO-Generalsekretär Rutte mit tiefen Bücklingen retten, was vielleicht nicht mehr zu retten ist. Sein erster Bückling: «Was Trump im Iran tut, ist unverzichtbar und macht die Welt sicherer», sagte er im US-Sender CBS. Der zweite Bückling: «Trump konnte Alliierte weder informieren noch konsultieren, ohne die Operation zu gefährden.» Und sein dritter Bückling: «Ich verstehe Trumps Frustration über die Zögerlichkeit der übrigen NATO-Mitglieder.» Dennoch behauptet er, dass nun fast alle Nato-Länder bereit seien, die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr wieder passierbar zu machen. Doch da verspricht Rutte mehr, als gehalten werden kann. Die meisten Allianzmitglieder distanzieren sich deutlich von den Militärschlägen der USA und Israels und halten sie für völkerrechtswidrig. Einzig zur Minenräumung in der Straße von Hormus wären die Europäer bereit, und zwar erst nach einem Waffenstillstand. Der Unmut über Rutte wächst, besonders in Spanien, Frankreich und Deutschland. Denn obwohl er Trump unermüdlich schmeichelt, scheint es immer erfolgloser zu werden. Der Präsident scheint den Honig wegzuwischen, ohne sich jedoch zufrieden oder friedlich zu geben. Seine Wutanfälle gegen die NATO häufen sich und erschüttern deren Glaubwürdigkeit. Die Europäer wissen, dass eine NATO ohne die USA nicht funktionieren würde. Doch mit den USA scheint das Bündnis auch nicht mehr wirklich funktionsfähig.