Roche, der weltweit zweitgrösste Pharmakonzern, zeigt eine beeindruckende Dynamik. Trotz stetigen Wachstums in den letzten zwei Jahren gibt es unter Investoren Skepsis bezüglich des Unternehmens. Es ist bekannt, dass jeder neue Konzernchef Zeit benötigt, um sich einzuleben. Thomas Schinecker, der seit drei Jahren Roche führt und bald seinen 51. Geburtstag feiert, hat diesen Übergang gemeistert. Sein Führungsstil wird sowohl intern als auch extern gelobt; er ist bodenständig und kommunikativ. Der Geschäftserfolg unter seiner Leitung spricht für ihn. Schinecker wurde zum CEO ernannt, als die Pandemie nachließ. Diese Zeit hatte Roche dank Tests und Medikamenten gegen das Coronavirus hohe Einnahmen beschert. Im ersten Jahr seiner Amtszeit 2023 kämpfte er mit sinkender Nachfrage, doch ab dem zweiten Quartal 2024 beschleunigte sich das Wachstum stark dank erfolgreicher Neuheiten im Nicht-Covid-Bereich. Seither stiegen die Verkäufe um durchschnittlich 8 Prozent pro Quartal. Schinecker straffte zudem die Forschungspipeline, indem er den Fokus auf weniger, aber aussichtsreiche neue Medikamente legte. Im vergangenen Jahr erreichten zehn Wirkstoffe die abschließende Phase 3 der klinischen Entwicklung – ein Rekord für Roche. Diese Leistung wird von Schinecker hervorgehoben. Trotz dieser Erfolge bleibt die Börsenperformance von Roche enttäuschend. In den letzten fünf Jahren stiegen die ehemaligen Genussscheine, heute Partizipationsscheine, nur um 3 Prozent an und verloren seit Jahresbeginn 2 Prozent ihres Wertes. Im Vergleich entwickelten sich Johnson & Johnsons Aktien mit einem Plus von 39 beziehungsweise 11 Prozent sowie die Novartis-Aktien mit Gewinnen von 53 respektive 8 Prozent deutlich besser. Ein Grund für das geringere Vertrauen in Roche könnte die anhaltende Schwäche des Dollars gegenüber dem Franken sein. Wechselkursverluste schmälern die Einnahmen, da Roche in Schweizerfranken und nicht in Dollar bilanziert. Obwohl die Lokalwährungsumsätze 2025 um 7 Prozent stiegen, blieb das Wachstum in Franken bei nur 2 Prozent. Bedenken über die zukünftige Rentabilität der Hauptumsatzbringer Ocrevus, Hemlibra und Vabysmo bestehen ebenfalls. Diese Medikamente trugen mit 16 Milliarden Franken fast ein Viertel zum Umsatz bei, doch ihre Patente laufen zwischen 2029 und 2032 aus. Roche gilt als Pionier im Biotech-Bereich dank seiner Tochter Genentech. Analysten von Vontobel weisen darauf hin, dass fast 90 Prozent des Pharmasparte-Umsatzes auf Biotech-Produkte entfallen – ein deutlicher Unterschied zu Novartis mit einem Anteil von etwa 30 Prozent. Roche steht durch seine Abhängigkeit von Biotech stark unter Druck durch Biosimilars, die in den USA nun zunehmend an Bedeutung gewinnen. HSBC-Analysten sehen eine weitere Ursache für die Kursschwäche in der Skepsis gegenüber Roches Forschungs- und Entwicklungsleistungen; es gab zwischen 2023 und 2025 dreimal Rückschläge. Ein weiterer Rückschlag erfolgte Anfang März mit den Ergebnissen zu einem neuen Brustkrebsmittel. Giredestrant, das Schinecker als potenziellen Umsatzrekordhalter bezeichnete, enttäuschte in einer Patientengruppe mit fortgeschrittenem Tumor und Metastasen. Doch bei früh diagnostizierten Fällen zeigte es vielversprechende Ergebnisse. Analysten der UBS schätzen den Spitzenumsatz von Giredestrant auf über 7 Milliarden Dollar. Roche könnte dank seiner Verkaufskompetenz hohe Renditen erzielen. Die UBS und HSBC sehen in der Börsenschwäche eine Kaufgelegenheit. Ende 2025 betrug die Nettoverschuldung nur 16,2 Milliarden Franken, was ein hervorragendes Verhältnis zur Betriebsgewinn (Ebitda) von 0,7 ergibt. HSBC-Analysten sind überzeugt, dass Roche genügend Mittel hat, um seine Innovationskraft weiter auszubauen, auch durch den Erwerb von Produktneuheiten.