In einer gut zehntägigen Tour durch Afrika hat Papst Leo XIV. seine Besuche in Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea genutzt, um soziale Missstände anzuprangern. Während seiner Reise kritisierte er insbesondere die Ausbeutung von Öl- und Mineralressourcen als Hauptursache für Konflikte und betonte dabei das Völkerrecht sowie das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die SRF-Religionsexpertin Judith Wipfler hat diese bedeutende Reise des Papstes genau beobachtet.
Judith Wipfler, Teamleiterin der Fachredaktion Religion bei Radio SRF und reformierte Theologin seit 2014, begleitete die Entwicklungen der Reise. Am vorletzten Tag seiner Reise in Äquatorialguinea rief Papst Leo XIV. zur aktiven Teilnahme an politischen und sozialen Reformen auf. Er forderte Bildung und soziales Engagement als Mittel gegen wachsende Ungleichheiten, die sich im digitalen Zeitalter weiter verstärken.
Die afrikanische Reise des Papstes zielte darauf ab, die Aufmerksamkeit der herrschenden Eliten zu lenken, darunter Diktator Teodoro Obiang, der seit fast 50 Jahren an der Macht ist. Vor vielen Tausend Menschen verurteilte der Papst in einer langen Rede die soziale Ungleichheit und Umweltzerstörung in dem ölreichen Land. Er ermutigte das Volk, sich aktiv für seine Zukunft einzusetzen.
In Afrika leben heute mehr Christinnen und Christen als in Europa, ein Faktor, der sowohl wirtschaftliches Potential birgt als auch die Ausbeutungsrisiken durch globale Unternehmensinteressen. Papst Leo XIV. positionierte das Evangelium als Versprechen von Heil und Verpflichtung zum Gemeinwohl und zur Menschenwürde.
Die Reise diente auch dazu, die römisch-katholische Kirche gegen neue Konkurrenz zu stärken, wie etwa neupfingstlerische Bewegungen. Bei seinen Treffen mit afrikanischen Bischöfen ging es vermutlich um innere kirchliche Herausforderungen und Machtmissbrauch. Öffentlich betonte der Papst die Notwendigkeit von Nichtdiskriminierung und Gewaltlosigkeit, insbesondere in Regionen, wo Frauen diskriminiert und Homosexuelle verfolgt werden.
Papst Leo XIV., bekannt als einer, der sich nicht vor den Mächtigen dieser Welt fürchtet, erntete Anerkennung für seine klare Haltung. Seine Reise unterstrich sein Engagement für das Gemeinwohl und machte ihn zu einem entschlossenen Fürsprecher sozialer Gerechtigkeit.