Nicht weniger als 16 Parteien sind im neu gewählten dänischen Parlament vertreten. Die bisherige Zentrumskoalition hat ihre Mehrheit verloren, doch sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und liberaler Aussenminister Lars Løkke Rasmussen haben Aussichten auf eine Fortsetzung ihrer Regierungszeit – dank Donald Trump.
Mit der Feststellung Anfang Januar 2026: «Ich brauche Grönland für die nationale Sicherheit und ich werde es auf die eine oder andere Weise auch kriegen», forderte der amerikanische Präsident fast das gesamte Territorium des dänischen Königreiches heraus. Dies umfasst neben der grössten Insel der Welt (2,1 Mio. km²/60’000 Einwohner) auch die Färöer-Inseln (1400 km²/56’000 Einwohner) und das eigentliche Dänemark (43’000 km²/6 Mio. Einwohner). Die Regierungschefin reagierte entschieden mit «no way» und sandte den Aussenminister nach Washington, um eine Lösung in dieser schwersten aussenpolitischen Krise des nordischen Königreichs seit dem Angriff Nazideutschlands 1940 zu finden.
Bei den Wahlen am Dienstag erhielten Frederiksen und Løkke Rasmussen paradoxerweise sowohl Stimmen- als auch Sitzverluste, während sie als führende Kräfte im Land gestärkt wurden. «Das wird sehr schwierig, aber ich bin bereit, auch weiterhin Verantwortung zu übernehmen», erklärte die 48-jährige Regierungschefin, die seit sieben Jahren im Amt ist. Ihr bürgerlicher Gegenspieler und langjähriger Partner in der Regierung, der 61 Jahre alte Lars Løkke Rasmussen, betonte: «Wir stehen im Zentrum, hier wird um die Macht gespielt. Kommt, spielt mit uns».
Tatsächlich sind Frederiksen und Løkke Rasmussen – deren Parteien zusammen gerade einmal 52 der 179 Sitze auf sich vereinen – nun auf das Mitspielen weiterer Parteien links und rechts der Mitte angewiesen, um eine Regierung zu bilden. Die Auswahl an potentiellen Koalitionspartnern ist grösser denn je in Dänemarks Geschichte: Nicht weniger als 16 Listen haben den Sprung ins dänische Parlament, das Folketing, geschafft – darunter zwei Vertreterinnen und Vertreter aus Grönland und den Färöer. Diese Regionen streben nach mehr Unabhängigkeit, erkennen jedoch in jüngster Zeit wieder die historischen Bindungen zu Kopenhagen an – Dank Donald Trump.
Vor dem Hintergrund des aussenpolitischen Sturmes markieren die Wahlen im Dänischen Königreich ein Bekenntnis zur starken Bedeutung der politischen Mitte und einer lebendigen Demokratie: Bei einer Stimmbeteiligung von 84 Prozent sind alle Parteien, die antraten, auch vertreten. Entsprechend zufrieden zeigten sich nach Auszählung aller Stimmen die Parteichefs – selbst jene, die Verluste hinnehmen mussten. Dies sendet ein klares Signal an den unzufriedenen Sieger der letzten Präsidentschaftswahl in den USA.
Bruno Kaufmann berichtet seit 1990 regelmässig für SRF über den Norden Europas, von Grönland bis Litauen. Zudem wirkt er als globaler Demokratie-Korrespondent beim internationalen Dienst der SRG.