Vor fünfundzwanzig Jahren beeinflusste «Scrubs» das Selbstbild einer ganzen Generation junger Ärzte nachhaltig. Die nun startende zehnte Staffel beleuchtet eine unangenehme Wahrheit: Die Serie war einzigartig in ihrer Darstellung des Spagats zwischen Euphorie und Scheitern, Manie und Depression im Krankenhausalltag.
«Ich bin der Grösste», beginnt John «J. D.» Dorian (Zach Braff) zu Beginn von «Scrubs». Nach nur zwanzig Sekunden muss er jedoch resigniert feststellen: «Ich habe null Ahnung.» Diese drastische Wendung unterstreicht den Kern der Serie: die Kluft zwischen Träumen und Realität.
«Scrubs», 2001 in den USA gestartet und ab 2003 synchronisiert im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt, bot einen realistischen Gegenentwurf zur makellosen Darstellung von Ärzten in Serien wie «Emergency Room». Produzent Bill Lawrence präsentierte mit «Scrubs» ein subjektives Lehrstück über Überforderung und Freundschaft im Spitalalltag. Die Serie füllte eine Lücke zwischen der letzten Folge von «M*A*S*H» 1983 und dem Debüt der ambivalenten Figur Gregory House 2004.
Die Ich-Perspektive von J. D., symbolisiert durch Episodentitel mit Possessivpronomen, zeigt ein gefiltertes Geschehen, oft unterbrochen durch Tagträume – eine Flucht aus dem emotionalen Alltag, die abrupt endet. Der Titelsong «I’m no Superman» von Lazlo Bane setzt das emotionale Fundament: Niemand ist perfekt und alle kämpfen mit persönlichen Niederlagen.
Lawrences Figuren sind überzeichnet, dennoch realitätsnah. J. D., Elliot (Sarah Chalke) und Turk (Donald Faison) verkörpern eine jungen Ärztegeneration, die sich in beruflicher wie emotionaler Hinsicht entwickelt – was vielen Zuschauern als humorvolle Selbstbeobachtung diente.
Das emotionale Finale der achten Staffel 2009, untermalt von Peter Gabriels «Book of Love», zeigt J. D.s Abschied und eine melancholische Zukunftsvision, die Produzent Bill Lawrence in einem Cameo zerstört. Die neunte Staffel erschien wie ein Fremdkörper, weshalb Fans auf das Revival hoffen.
Entscheidend wird sein, ob «Scrubs» seine Balance zwischen Emotionalität und Slapstick bewahren kann, ohne an Aktualität zu verlieren oder problematische Elemente aus der Vergangenheit zu ignorieren. Donald Faison drückt es prägnant aus: «Wir sind älter geworden.»
Das Publikum ist ebenfalls gealtert und könnte nun eine Renaissance erleben, die das Älterwerden mit Humor annimmt. Die Serie wird auch ein Vermächtnis tragen: den labilen Underdog Ted Buckland (Sam Lloyd), der an einem Hirntumor starb.
In einer Serie, die das Leben feiert und dem Tod etwas Komisches abgewinnt, ist dieser Verlust eine bittere Realität. Staffel 10 startet am 25. März auf Disney+. Es gibt 9 Folgen à 20 Minuten.