Inmitten angespannter Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien, verschärft durch die Brandkatastrophe von Crans-Montana, hat Bundespräsident Guy Parmelin mit einem Angebot zur Versöhnung für Entspannung gesorgt. Nach Verstimmungen aufgrund von Rechnungen des Walliser Spitals in Sitten an Familien italienischer Opfer fand er am Dienstag in Rom eine Lösung.
Parmelin traf sich mit Staatspräsident Sergio Mattarella und Aussenminister Antonio Tajani, um die Beziehungen zu normalisieren. Trotz heftiger Emotionen betonte er nach den Gesprächen: «Die Atmosphäre war offen und herzlich». Der Bundespräsident räumte ein, dass der Versand der Rechnungskopien an Familien schwerverletzter Jugendlicher fehlerhaft gewesen sei, obwohl keine Zahlungen verlangt wurden. Er versprach zukünftige Vorsicht und bot an, auf eine Rückforderung von rund 100 000 Franken gegenüber Italien zu verzichten.
Diese Lösung wurde bereits mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni diskutiert, die sich nach dem Treffen moderater äusserte. Der Vorfall hatte in Rom für Empörung gesorgt und von Meloni als «unmenschliche Bürokratie» bezeichnet worden.
Die Brandkatastrophe, bei der sechs Italiener ums Leben kamen und 16 Jugendliche verletzt wurden, löste bis heute große Emotionen aus. In Mailand werden vier junge Verletzte weiterhin intensiv behandelt, während die Medien über ihren Genesungsprozess berichten.
Meloni nutzte den Vorfall politisch, um ihre Verteidigung der Italiener im Ausland zu unterstreichen. Ihr Engagement brachte die Regierung in Schwung, nachdem sie vor sechs Wochen eine Niederlage erlitt.
Umberto Marcucci, Vater eines verletzten 16-Jährigen aus Rom, hatte den Rechnungsfall öffentlich gemacht und zeigte sich nun erleichtert über das diplomatische Entgegenkommen. Trotz der Annäherung zwischen den Ländern dürfte die Debatte in Italien weiterhin anhalten.