Ein amerikanisches Unternehmen hat sich den Besitz des bekannten Schweizer Gewürzes Aromat gesichert, was bei vielen Schweizern zu Unmut führte. Ein Startup-Unternehmer aus Basel lancierte daraufhin eine Petition mit dem Titel «Aromat ghört dr Schwiiz», die binnen einer Woche fast 10.000 Unterstützer fand. Die Aktion verdeutlicht, wie tief das Produkt in der nationalen Identität verankert ist und zeigt zugleich Misstrauen gegenüber Marktkräften.
Aromat wird nicht nur als Gewürz gesehen; es gilt vielmehr als Teil der Schweizer DNA. Der Baselbieter Michael Oehl sieht den Verkauf des Aromat-Herstellers Knorr als Symptom eines Kulturverlustes: «Wir haben Sigg verloren. Wir haben Toblerone verloren. Bei Aromat sagen wir: Nein.» Die Petition fordert Arbeitsplatzsicherheiten, die Bewahrung der Rezeptur und den Aufbau einer «Aromat Schweiz AG» mit Volksaktien.
Der Aromat-Streuer hat eine lange Geschichte in der Schweiz. Ursprünglich von Carl Heinrich Knorr im 19. Jahrhundert gegründet, begann die Verbreitung des Produkts im Kanton Schaffhausen und später in ganz Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Walter Obrist das berühmte «gelbe Gold der Schweiz», das schnell landesweit populär wurde. Der Werbegrafiker Hans Tomamichel trug dazu bei, dass Aromat zum Symbol für eine schweizerische Marke avancierte.
Aromat symbolisiert den Wandel in der Lebensweise der Schweizer nach dem Krieg: Es war ein Produkt der Zeit, das den Geschmack vereinfachte und die Essgewohnheiten veränderte. Das Gewürz prägte nicht nur die Küche, sondern auch Erinnerungen ganzer Generationen.
In jüngerer Vergangenheit erlebte Aromat eine Renaissance durch Kooperationen mit anderen Schweizer Marken wie Zweifel und neuen Produkten wie Aromat-Chips. Diese Entwicklungen zeigen unterschiedliche Zukunftsvisionen für ein Symbol der Schweizer Identität.