Im Vorfeld der renommierten Biennale von Venedig spitzt sich ein Konflikt unterschiedlicher Interessen zu. Die Ausstellung, die als neutrale Plattform für alle Künstler gesehen werden sollte, steht nun im Zentrum politischer Auseinandersetzungen.
Pietrangelo Buttafuoco, der Präsident der Biennale, betonte zunächst, dass es keine Boykotte oder Ausschlüsse geben solle. Doch die EU-Kommission widersprach und setzte Fördermittel in Höhe von 2 Millionen Euro aus, um gegen Russlands Teilnahme zu protestieren.
Im Vorfeld der Eröffnung am 9. Mai erklärte die internationale Jury, dass sie Länder wie Russland und Israel vom Wettbewerb für den Goldenen Löwen ausschließt, da deren Regierungschefs des Verbrechens gegen die Menschlichkeit verdächtigt werden. Daraufhin trat die gesamte Jury zurück.
Alessandro Giuli, der italienische Kulturminister, kündigte an, der Eröffnung fernzubleiben. Auch EU-Kommissions-Vizepräsidentin Kaja Kallas sieht in der Kultur ein Mittel zur Förderung von Meinungsfreiheit und Demokratie, was mit Russlands Verhalten nach dem Ukraine-Angriff nicht vereinbar sei.
Trotz unterschiedlicher Ansichten besteht Einigkeit darin, dass die Biennale keine Plattform für politische Propaganda sein sollte. Der russische Pavillon soll Werke von rund vierzig vom Kreml bestimmten Kunstschaffenden zeigen, was als Propagandakunst kritisiert wird. Israel steht ebenfalls unter Protestandrohung trotz fehlender staatlicher Propaganda in seinem Beitrag.
Historisch gesehen ist die Biennale eine Arena politischer Diskurse: Als internationaler Wettbewerb zeigt sie nationale Kunstwerke. Beispiele für selbstkritische Auseinandersetzungen umfassen Ruth Patirs Verweigerung, ihre Ausstellung zu eröffnen, und den Rückzug von Kirill Sawtschenkow sowie Alexandra Sucharewa aus dem russischen Pavillon 2017.
Die Teilnahme Irans bleibt ungewiss. Viele Nationen nutzen die Biennale auch als Gelegenheit zur politischen Stellungnahme durch Nichtteilnahme.