Taiwan und Südkorea, zwei der kleinsten Exportnationen Ostasiens, profitieren stark vom KI-Boom. Angeführt von ihren Chip-Giganten haben sie westliche Aktienmärkte überholt. Taiwans Statistiker präsentierten Ende April beeindruckende Zahlen: Im ersten Quartal 2026 verzeichnete das Land mit seinen 23 Millionen Einwohnern ein Wirtschaftswachstum von 13,7 Prozent – stärker als erwartet und das schnellste seit 1987. Die taiwanische Börse kletterte auf Platz 6 der Welt, wobei die Gesamtmarktkapitalisierung um mehr als 35 Prozent anstieg und nun bei fast 4,47 Billionen US-Dollar liegt. Dies übertrifft erstmals den kanadischen Markt.
In Südkorea, mit einer Bevölkerung von 52 Millionen Menschen, trieb der Erfolg von Samsung Electronics und SK Hynix die Exporte auf neue Höhen. Der Kospi-Index erreichte mit 6750 Punkten ein Allzeithoch, was eine Steigerung von 186 Prozent bedeutet. Damit überholte Südkoreas Aktienmarkt den britischen Markt und rangiert weltweit nun auf dem achten Platz.
Beide Länder profitieren vom globalen Bedarf nach Hochleistungschips für KI-Anwendungen, was zu massiven Engpässen im Chipsektor führt. TSMC, Samsung und SK Hynix sind Schlüsselakteure in diesem Bereich. Der Bedarf übersteigt die Produktionskapazitäten bei Rechenzentren weit, sodass die Preise für Chips kontinuierlich steigen.
Der Aufschwung betrifft nicht nur die großen Chiphersteller, sondern auch andere Bereiche der Lieferkette sowie die gesamte Volkswirtschaft. Taiwan profitiert besonders stark; TSMC trägt mehr als 40 Prozent zum Börsenwert bei und prägt maßgeblich die Exportwirtschaft. Die Ausfuhren stiegen im ersten Quartal um 51,1 Prozent auf 196 Milliarden Dollar.
Jensen Huang von Nvidia beschrieb Taiwan bereits vor einem Jahr als das Zentrum der KI-Entwicklung. Rick Osterloh von Google hob die Rolle Taiwans bei der Umstellung auf KI-basierte Datenverarbeitung hervor, insbesondere in ihrem größten Hardware-Forschungszentrum außerhalb der USA.
Analysten sind optimistisch über die Widerstandsfähigkeit Taiwans gegen höhere Energiepreise, vorausgesetzt der KI-Boom bleibt. Bloomberg erhöhte seine Wachstumsprognose für 2026 auf 8,5 Prozent. ING hält Taiwan gut gerüstet, um die Herausforderungen zu bewältigen.
Im Aktienmarkt könnten weitere Rekorde folgen. Oxford Economics sieht den taiwanischen Markt als überbewertet an, doch Cathay Future Consultants und CLSA erwarten weiteres Wachstumspotenzial für TSMC.
Samsung Electronics berichtete ebenfalls von einem Rekordquartal mit einem Betriebsergebnis in der Halbleitersparte von 53,7 Billionen Won. Die Nachfrage nach Speicherchips durch Hyperscaler wie Meta und Alphabet treibt dieses Wachstum an. Analyst Tom Kang prognostiziert eine Steigerung der DRAM-Preise um 60 Prozent.
Auch die Zukunftssicherheit hängt mit dem Iran-Krieg zusammen, da er Lieferengpässe verursachen könnte. Samsung warnte vor einer fortgesetzten Knappheit bei Speicherchips bis 2027, was zu weiteren Preissteigerungen führen könnte.