Die USA und Israel haben im Verlauf des Konflikts eine Reihe iranischer Politiker und Militärs gezielt getötet. Doch wer bestimmt wirklich die politische Richtung in Iran?
Gemäß der iranischen Verfassung gilt Mojtaba Khamenei als der einflussreichste Mann im Land. Als neuer Revolutionsführer soll er die Politik leiten und Kontrolle über Justiz, Streitkräfte, Revolutionswächter, Polizei sowie Geheimdienste ausüben – zumindest theoretisch. Tatsächlich ist sein Einfluss seit seiner Wahl durch den Expertenrat am 8. März 2026 und seinem Verletztwerden bei der Ermordung seines Vaters Ayatollah Ali Khamenei Ende Februar unklar.
Berichte deuten an, dass Mojtaba Khamenei eine entscheidende Rolle in den jüngsten Waffenruheverhandlungen zwischen Iran, USA und Israel spielte. Laut dem Nachrichtenportal «Axios» soll er seine Unterhändler angewiesen haben, sich auf einen Vertrag zuzubewegen – ein Hinweis darauf, dass sein Einfluss möglicherweise größer ist als angenommen.
Trotzdem bleibt unklar, inwieweit Mojtaba Khamenei seine theoretischen Machtbefugnisse ausübt. Als US-Präsident Trump vor einigen Wochen erklärte, Gespräche mit «einer Führungsfigur» im Iran seien im Gange, ging es offenbar nicht um ihn. Stattdessen rückte Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf in den Mittelpunkt – ein erfahrener ehemaliger Revolutionswächter, der bislang als einer der wenigen überlebt hat und sich öffentlich äußert.
Seit Beginn des Konflikts vor sechs Wochen wurden von Israel und den USA zahlreiche iranische Politiker und Militärs gezielt ausgeschaltet. Sie werden schnell ersetzt, was die Machtverschiebung zugunsten der Revolutionswächter verstärkt – einer nach der Revolution 1979 gegründeten Einheit zur Kontrolle der regulären Streitkräfte.
Heute besitzen die Revolutionswächter weit mehr: Sie verfügen über eigene Milizen, Auslandseinheiten und wirtschaftliche Netzwerke, was ihnen erheblichen politischen Einfluss verschafft. Vor Mojtaba Khamenens Wahl zum Revolutionsführer soll der Druck auf den Expertenrat zur Unterstützung von ihm gestiegen sein. Die Beziehung zu den Revolutionswächtern ist jedoch unklar, ebenso wie die Frage, wer im Obersten Rat für Nationale Sicherheit das letzte Wort hat.
Ali Khamenei hatte vor dem Konflikt Ali Larijani zum Chef des Sicherheitsrats ernannt. Nach Larjinis Ermordung übernahm der radikale Mohammad Bagher Zolghadr, dessen Härte sogar General Kassem Soleimani zu seinem Rücktritt zwang. Diese Personalentscheidungen spiegeln eine zunehmende Radikalisierung wider, obwohl Trump das neue Regime als «moderater» beschreibt.
Der Präsident Masud Pezeshkian hatte bereits vor dem Krieg nur beschränkte Macht, was seine Nicht-Zielsetzung durch Israel und die USA erklären könnte. Aussenminister Abbas Araghchi spielt laut Berichten eine wichtige Rolle bei den jüngsten Feuerpauseverhandlungen.
Hassan Khomeiny, Enkel des Revolutionsgründers Ruhollah Khomeini, hatte einmal Hoffnungen auf einen moderaten Führungswechsel geweckt. Doch auch er hat keine bedeutende Stimme mehr. Die ursprünglich als Theokratie gegründete Islamische Republik sieht sich mit einer Machtverschiebung konfrontiert: Während die religiöse Führung an Einfluss verliert, gewinnen die Revolutionswächter immer mehr an Bedeutung.