Als die Kaffeemaschine streikt, setzt Raffaello D’Andrea auf traditionelle Methoden. Er mahlt Nescafé und kocht Wasser, anstatt sich von der defekten Maschine im Büro seiner Firma Verity bei Bahnhof Oerlikon frustrieren zu lassen. Diese Haltung zeigt den Pragmatismus eines Mannes, dessen Innovationsgeist ihn zu einem der reichsten Schweizer gemacht hat.
In seinem Unternehmen fliegen autonom Drohnen, etwa so groß wie Basketbälle, durch ein simuliertes Lagerhaus. Einmal löste diese Technologie sogar eine Polizeiüberprüfung aus wegen auffälliger Lichter. D’Andrea nutzt seine Expertise in der Roboter- und Drohnentechnik geschäftlich erfolgreich.
Gemäß dem Magazin «Bilanz» zählt er zu den 300 reichsten Schweizern mit einem Vermögen von rund 125 Millionen Franken. Seine erste Firma, die an Amazon verkauft wurde, brachte ihm über eine Milliarde Dollar ein. Heute arbeiten Kunden wie Maersk und Ikea mit seinen Drohnensystemen.
Sein Unternehmen Verity – im Sinne von Wahrhaftigkeit – ist Teil seiner doppelten beruflichen Identität: Unternehmer und Professor an der ETH Zürich, wo er sich auf Robotik konzentriert. In seinem Büro wechselnd zwischen einem Billy-Regal und einer Pflanze, betont D’Andrea die Sparsamkeit seines Teams beim Aufbau von Konferenzräumen.
Seit seiner Kindheit in Venedig und Kanada ist er fasziniert vom Entdecken des Unbekannten. Seine Leidenschaft für Roboterwettbewerbe mündete in die Gründung von Kiva, das später Amazon übernahm.
D’Andrea teilt seine Zeit zwischen der ETH und seinem Unternehmen. Während er im Geschäftsjargon spricht, widmet er sich an der Hochschule den faszinierenden Aspekten molekularer Strömungen in Doktorarbeiten.
Obwohl es ungewöhnlich ist für ETH-Professoren, so stark wie D’Andrea mit der Privatwirtschaft zu kooperieren, sieht er keine Sonderbehandlung. Seine Motivation liegt nicht im finanziellen Erfolg; er strebt danach, Probleme zu lösen und die Wahrnehmung durch seine künstlerischen Projekte zu verändern.
Sein bekanntestes Werk ist ein TED-Talk in Edinburgh, bei dem er mit Drohnen jongliert. Diese Darbietung hat über zehn Millionen Aufrufe erreicht.
Durch die Hallen seiner Firma eilend, zeigt D’Andrea innovative Anwendungen von Drohnentechnologie im Unterhaltungssektor. Er betont, dass Roboter monoton und gefährliche Tätigkeiten übernehmen sollen – nicht solche, die Menschen gerne machen.
Obwohl er Technologien wie Smartphones kritisch gegenübersteht, bleibt D’Andrea von technischen Innovationen fasziniert. Er liest Bücher auf Papier und druckt Karten aus, um sich unabhängig zu halten – ein Gleichgewicht zwischen Fortschritt und Einfachheit.
Im Hintergrund erklingt Akons «Lonely» während D’Andrea mit einem Smart-Ring spielt, der seine Vitaldaten misst. Er argumentiert, dass Technologie dann am besten sei, wenn sie Freiräume schafft.